Willkommen im Stricktagebuch von Michaela
... und immer ein paar Maschen auf den Nadeln
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2013-11-10
Letztens stellte ich mich der grauenvollen Tatsache, dass ich 10 (in Worten: zehn) angefangene Projekte hatte. Das liegt nicht nur daran, dass ich die Abwechslung beim Stricken liebe, sondern ich brauche stets Projekte, die sich problemlos in öffentlichen Verkehrsmitteln arbeiten lassen.
Irgendwann werden diese Strickstücke zu umfangreich zum Transportieren, dann harren sie zuhause der Vollendung. Derweil werden neue Mitnahmeprojekte begonnen.

Ich gelobte nicht nur Besserung, sondern setzte den guten Vorsatz gleich in die Tat um. Zwei Röcke wurden fertig gestellt, was dadurch Beschleunigung bekam, dass einerseits der Winter in den Startlöchern steht und zum zweiten der Nichtengeburtstag näher rückt.
Erneut wandelte ich die Anleitung von Rieko etwas ab. Die Beschreibung gibt es hier, die Anleitung ist gut bebildert und lässt sich auch mit dem Google-Übersetzer recht gut nachvollziehen. In Ravelry (siehe Link unten) gibt es von dem Projekt auch verschiedene deutsche Interpretationen, so dass ich mir die weiteren Erläuterungen hier spare. http://www.trenteetun.com/essay/index.php?no=109

Zunächst zum Kinderrock. Dieser ist aus verschiedenen Sockengarnen in klassischen Mädchenfarben. Er ist für 8-10 Jahre ausgelegt und kann dank verstellbarem Gummibund auch mit Shirt als Kleid getragen werden. Das Geburtstagsgeschenk für eine meiner Nichten liegt schon in der Pipeline zum Versand, meine Nachbarmädels modelten wieder. Allerdings war die ältere schon unwillig, ihre Pink-Phase ist stark am Abflauen.

Von Kerstin http://www.strickforum.de/weblog/ bekam ich ein großzügiges Geschenk: zwei wunderbare Stränge Wollmeise-Garn in Grün- und Blaugrün-Tönen, insgesamt 450g. Was habe ich mich gefreut über diese Färbungen! Lange habe ich überlegt, bei welchem Projekt ich diese Wolle einsetze. Gedanklich und beim Betrachten verschiedener Designs, nach einigen Maschenproben und etlichen Designversuchen wurde mir die Entscheidung von meinem Kleiderschrank aufs Auge gedrückt.
Beim Reorganisieren der Bekleidung stellte ich fest, dass mein seit 2001 getragener und geliebter Merino-Wollrock von Ane Kenssen abgenudelt und lappig aussah. Hinzu kamen herausgezogene Fäden und abgewetzte Stellen, die auch nicht mehr durch lange Pullover zu kaschieren waren.
Nach den ersten verstrickten Zentimetern sah das Muster des neuen Rocks wie die Moossorte „Sphagnum“ aus, so dass ich ihm gleich diesen Namen gab. Ich hatte ihn mittlerweile schon einige Male an: mit meiner taillierten roten Wollwalkjacke oder einer Leinentunika sieht er sehr kleidsam aus und wärmt hervorragend. Bei dieser Gelegenheit stellte ich fest: mir fehlen Stiefel mit langem Schaft, dazu würde der wadenlange Rock noch besser aussehen.
Die Skulptur „Femme debout“ von Kurt Lehmann repräsentiert meine Figur ziemlich gut. Schmale Taille und breite Hüften kann ich auch bieten, nur sind meine Beine länger und die Arme dünner.

Neben den beiden Röcken sind sogar zwei weitere Strickstücke fertig geworden, schon die ersten Weihnachtsgeschenke. Es gibt also nur noch 60% der ursprünglichen Fragmente abzuschließen. Ich hoffe, der Flow hält an.
Darüber mehr beim nächsten Mal.

Hier mehr Bilder von den Röcken
http://www.ravelry.com/projects/LanArta/bulgarian-knitted-skirt--2
http://www.ravelry.com/projects/LanArta/bulgarian-knitted-skirt--3

2013-10-27
Meine Eltern haben endlich mal was für sich getan und sich eine neue Sitzgarnitur gegönnt. Sie leben in der Dachwohnung in einem Jugendstilhaus auf 80qm Wohnfläche, früher haben wir darin zu fünft gewohnt.
Die Zimmer sind ziemlich putzig und haben außerdem noch Schrägen darin. Es ist gar nicht so einfach, dort zeitgenössische Möbel unterzubringen, aber meinen Eltern ist es gelungen, ein Lederensemble in lindgelbgrün mit einem Hauch Pistazie zu finden, das den Vorstellungen von Bequemlichkeit und Eleganz entgegen kommt, sogar mir gefällt es, obwohl wir ansonsten in Geschmacksfragen ziemlich selten überein stimmen.

Neue Möbel rufen bei dieser Generation schnell eine Schondeckchenmentalität hervor, und so dauerte es nicht lange, bis Mutter anfrug, für den Hocker, auf den sie ihre Füße ablegt, einen Schutzüberzug zu stricken, am liebsten in neutraler Farbe. Als sie in Urlaub waren, rückte ich mit etlichen Knäueln Garn in unterschiedlichen Farben an. Braun? Gäääähn. Olive? Zu monochrom. Wollweiß? Wirkt nach dem Motto „passt zwar immer, hat aber keinerlei Pfiff“. Rot oder lila? Bewahre, soviel Kontrast ist nicht erwünscht. Das matte Gelb fügte sich am besten.
Meine geliebte Lacotta aus halbe-halbe BW und Wolle wurde mit Nadelstärke 3 verstrickt, 380g insgesamt ergaben eine Größe von 60cm x 60cm x 16cm. Ich verlängerte das Muster ins Dreidimensionale und zog einen Gummi ein, und nun hat der Hocker ein feines Häubchen. Das Muster kann hier auf Englisch (keine deutsche Version erhältlich) erworben werden. Die Designerin spendet die Einnahmen an ein Kinderprojekt.

Meine Eltern waren sehr begeistert und meinten, bei einem so schönen Muster könne man doch kaum die Füße drauflegen. Ob man man noch ein Kissen unterlegen sollte, um den Überzug zu schonen?

Größere Bilder bei Ravelry, bei Gelegenheit gibt es noch Bilder mit der Lederfarbe.
http://www.ravelry.com/projects/LanArta/see-what-love-can-do

2013-09-26
Viele werden mich nach dem Lesen meines Beitrags sicher gern aus dem All verfrachten.
Es geht um Bücher.

Etliche Menschen lesen Bücher – noch. Nach der Nutzung werden die ausgelesenen Werke zu ihren Artgenossen in ein Regal gestellt und fristen für den Rest ihres Lebens ein Dasein als teure Wanddekoration. Ja, nichts anderes, denn das herkömmliche Buch mit mehr oder weniger literarischem Inhalt ist ein Einmalgegenstand, was seinen ursprünglichen Gebrauchszweck anbelangt. Wie viele Bücher werden zweimal gelesen? Die wenigsten. Die werten Leser*innen können mir Glauben schenken, denn ich habe verlässliche Daten von einem Buchhändler und einem Buchantiquar.

Der herkömmliche Leser stellt mit ca. 200-250 Büchern einen Quadratmeter Wandfläche zu. Veranschlagen wir pro Buch ca. 12 € Beschaffungskosten, kommen wir auf mindestens 2000 bis 3000 € Wanddekoration für den qm, die Beschaffungskosten für die Regale nicht eingerechnet. Ganz schön teure Tapete, was? Und die begleitet die meisten Bibliophilen ihr Leben lang.
Und das alles ist totes Material, so lange wir das Buch nur einmal nutzen. Würden wir leere Joghurtbecher oder Eierschachteln auch so liebevoll aufheben? Manche tun das, aber die bewegen sich meist in therapiebedürftigen geistigen Regionen.

Ich habe auch ein paar Quadratmeter Bücher. Fachbücher. Die habe ich alle bereits mehrfach in der Hand gehabt, gelesen, daraus gearbeitet. Dann gibt es auch Literatur. Geschenke von Menschen, die sich etwas dabei gedacht haben, als sie für mich die Bücher aussuchten. Auch diese werden behalten und mehrfach gelesen.
Dazu kommen Kunstbände, die mich stets aufmuntern, wenn ich mal das Bett hüten muss oder Inspirationen suche.
Unterhaltungsliteratur wird ausgeliehen. Oder: wenn es sich um ein Geschenk innerhalb der Familie handelt, das mindestens viermal gelesen wird, auch gekauft, dann verschenkt. Die Möglichkeit, per Onleihe Hörbücher zu allen möglichen Themen auszuleihen, spart viel Platz.
Ich habe einmal dreitausend Bücher verkauft, verschenkt und entsorgt, als mich Wände voller Bücher einengten, von denen ich wusste, dass ich sie nie mehr lesen würde. Und wenn doch? Weltweite Büchereien beschaffen einem das Buch wieder, falls nötig.
Die meisten Bücher sind Massenware, das muss einem klar sein. Insbesondere die teuren Buchclubbücher, wie sie seit den 50-ern modern waren, kann man aus finanzieller Sicht vergessen, oft auch aus inhaltlicher.
Und für die Bücherkosten, die einen Quadratmeter Wand füllen, kann man Originalkunstwerke erwerben, die mit den Jahren womöglich an Wert gewinnen.

Bei der Haushaltsauflösung einer Tantenwohnung wollte keiner von mehreren Antiquaren die ca. 1500 Bücher mitnehmen, obwohl dabei sogar Bücher aus dem Beginn des 19. Jhdts. waren. Kaum jemand kann sich einbilden, seine Büchersammlung sei wertvoll, für die Nachkommen werden sie überwiegend eine Last sein.
Wer Sammlungen anlegen will, sollte das von einem Thema und/ oder aus einer Epoche tun. Eine Spezialsammlung zu einem Spezialthema sozusagen. Alles andere kann verschenkt oder auf dem Flohmarkt vertickert werden.
Ich bringe ausgelesene Unterhaltungsliteratur zu den Buchregalen des Lion’s Club in unserem kleinen Ort, wo sie für wenig Geld verkauft werden, das guten Zwecken gestiftet wird.

Nun habe ich eine neue Form der Buchverwertung gefunden.
Hier kommen Bücher zum Einsatz, die einen schönen festen Einband haben und ggf. auch von innen etwas her machen. Der literarische Gehalt ist völlig nebensächlich. Oder doch: für den Beschenkten kann man sich die Extramühe machen, ein Buch aus dem Fachgebiet zu suchen.
Beim Basteln meines Succulentenbuchs bin ich nach dieser Anleitung vorgegangen.
http://www.secondchancetodream.com/2012/05/mothers-day-gift-idea-succulent-book.html
Bitte nicht nach deutschen Übersetzungen fragen, die Bilder sind absolut selbsterklärend. Ich habe vor dem Bepflanzen die Schauseiten noch mit Klarlack aus alten Bastelbeständen besprüht.
Hier noch weitere Möglichkeiten
http://www.apartmenttherapy.com/diy-book-planters-145212
http://greenweddingshoes.com/diy-book-planter-with-succulents/
Man kann das Buch natürlich auch geschlossen halten
http://dornob.com/paper-back-planters-recycling-books-to-pot-indoor-plants/
Hier noch was für diejenigen, die gerne Heimwerkern
https://www.youtube.com/watch?v=MWX1T6q84Is
Natürlich kann man in ausgehöhlten Büchern auch noch anderes unterbringen
https://www.youtube.com/watch?v=CQae01qL2-E

Die seitlichen Bilder sind teilweise aus den genannten Websites, teils von mir.

Hier mein Produkt nochmal größer
http://s1.directupload.net/file/d/3392/tgxgqvfz_jpg.htm
http://s1.directupload.net/file/d/3392/uslbdtow_jpg.htm
http://s14.directupload.net/file/d/3392/ftyl85fm_jpg.htm


2013-09-01
Heute habe ich keinen Schwank aus meinem Leben zu bieten, sondern steige gleich ins Thema ein.
Martina Behm http://strickmich.frischetexte.de/ erstellt überschaubare Anleitungen, die nicht nur für Strickanfänger attraktiv sind, sondern auch für Fortgeschrittene reizvolle Ausbaumöglichkeiten bieten.
Der Ärmelschal ‚Sleeves‘ (= Ärmel) ist so ein Modell, das ich vermutlich mangels Herausforderung nie im Original stricken würde, aber als Grundlage für ein Muster für verkürzte Reihen hervorragend geeignet ist.
http://strickmich.frischetexte.de/sleeves/

Der Schnitt ist simpel und wird mittels Zu- und Abnahmen geformt. Die Ärmel beginnen mit einem Dreieck, das zur Runde geschlossen und bis zum Halsansatz rundgestrickt wird . Beiden Ärmeln wird danach ein Schulterteil angefügt und sie werden im Anschluss mittels eines Riesentopflappens verbunden.

Meine Variante der verkürzten Reihen sollte dieses Mal keine gefälligen Wellen haben, sondern das zackig-dynamische Design unterstützen. Ich wollte eher einen Graffiti-Effekt erzielen und habe daher für die Farbfelder zwei entsprechende Farben von DROPS Delight genommen. Getrennt werden die Felder mir einem wunderbaren Blau von MadelineTosh, ein Garn, das Frau M aus J. einmal einem reichhaltigen Garngeschenk beigelegt hatte. Da meine Tuchvorräte üppig sind, sollte dieses schöne Garn etwas Besonderes, viel Getragenes werden. Es wurden daraus die Ärmeldreiecke gestrickt, und sozusagen als Reprise des Themas die Rückenraute.
Passend dazu habe ich eine Brosche, die ich vor fast 20 Jahren meiner Großtante geschenkt hatte. Nach ihrem Tod bekam ich sie wieder zurück.

Wer mit dem eigenen Mustergestalten mit verkürzten Reihen schon etwas vertrauter ist - also niemand, der Anleitungen braucht - kann sich an dieses Projekt wagen, für Anfänger ist es nicht geeignet, da mehrere Aspekte gleichzeitig berücksichtigt werden müssen: bei den Zunahmen werden die Felder gedehnt, bei den Abnahmen verkürzt. Das bedeutet, dass die Markierungsabstände entsprechend gesteckt werden müssen. Außerdem fangen die Runden jedes Mal woanders an, so dass noch zwei Zählfäden an den jeweiligen Ab- und Zunahmen hilfreich sind.
Außerdem darf man sich nicht dran stören, dass am Ärmelende noch jede Menge Markierungsnadeln stecken, die dann in die Schultergestaltung übernommen werden müssen. Die Vorderteilnadeln fallen in die Blende und werden dort abgearbeitet.

Martina Behms Anleitung empfiehlt andere Abnahmen, als ich sie gemacht habe, aber das kann jeder unterschiedlich gestalten.
Was mir beim Betrachten vieler Projekte bei Ravelry negativ aufgefallen ist, sind die unschönen Kanten am Rückenteil, die sehen teilweise extrem schlampig aus. Ich hatte daher von vornherein geplant einen umlaufenden Kordelrand zu machen und habe die vordere Blende daher nicht abgekettet.

Ich sehe es immer mit Bedauern, wenn Strickprojekte so lieblos abgeschlossen werden, dass die Ausfertigung regelrecht verzweifelt hin gestümpert aussieht. Oft ist in Foren oder Blogs zu lesen, dass man ja so ungern zusammen nähe und die Ausführung des Finish als lästige Tätigkeit gesehen wird. Das sieht man meist auch, schade drum.
Meiner Meinung nach gehören jedoch gerade die Abschlussarbeiten zum Wesentlichsten an der Strickarbeit, ob sorgsam und unsichtbar vernähte Fäden, gerade Nähte und ordentliche Blenden mit perfekten Knopflöchern. Die Orientierung an der Perfektion adelt nicht nur das Strickprojekt, sondern erhöht auch den Zufriedenheitsfaktor nach der Fertigstellung.
Das ist auch lernbar. Mein großes Vorbild in dieser Hinsicht ist Ingeborg Hansen, früher Designerin und Redakteurin in einer dänischen Handarbeitszeitschrift. In ihren Blogs kann man ihre Hingabe an die Ästhetik bewundern
http://strikinge.blogspot.de/
http://strikingeshave.blogspot.de/
http://strikingeshave.blogspot.de/

Mehr und größere Bilder bei Ravelry
http://www.ravelry.com/projects/LanArta/sleeves

2013-08-05
Besonders unoriginell finde ich zwei Bemerkungen im Zusammenhang mit dem Stricken. Der erste lautet: „Zwei rechts, zwei links, zwei fallen lassen!“, begleitet von einem Lachen, das den eigenen Witz besonders bejubelt. Vernünftige Leute können das gar nicht spaßig finden, Stricker*innen schon gar nicht.
Die andere Aussage lautet: “So ein schönes Muster, würde ich sofort nachstricken, aber ich kann ja kein Englisch.“
Bitte genau lesen. Ich meine nicht die Nachfrage: ‘Gibt’s das Muster auch auf Deutsch‘? Sondern der Satz ‚ich kann ja kein Englisch‘. Das ist nichts Besonderes und auch nichts, auf das man hinabsehen müsste. Ich kann ungefähr 99,99% aller gängigen Sprachen nicht. Dennoch stricke ich nach fremdsprachigen Anleitungen.

Ein kurzer historischer Rückblick, als ich meine erste englische Anleitung in Händen hielt. Es ist ca. 27 Jahre her, als ich das erste 'ROWAN Magazine' zu Gesicht bekam, das sich irgendwie in unsere Hochschulbibliothek verirrt hatte. Gebannt schaute ich die Muster an und versuchte, ein Design von Kaffe Fassett nachzuarbeiten.
Ich saß also vor der Kopie der Anleitung und hatte mir sicherheitshalber auch die Abkürzungsliste und die Metaanweisungen im Heft für die Strickmuster vervielfältigt. Mit dem modernsten Wörterbuch aus der Bibliothek versuchte ich, aus der Anleitung schlau zu werden. Mein Englisch nutzte mir kaum etwas und das Wörterbuch war keine große Hilfe.
Es gelang mir mit viel Rätselraten und Mut zur Lücke, die Anleitung zu entschlüsseln. Glücklicherweise war die Schnittführung des Pullovers das geringste Problem. Die Sackgebilde mit überschnittenen Schultern waren international, Formgebung war meistens ein Fremdwort, in allen Sprachen.
Ca. 10 Jahre später erfuhr ich, dass eine gewisse Rosemarie Kaufmann nicht nur ROWAN-Garne hatte, sondern auch ihre Hefte mit deutscher Übersetzung versah. Endlich klärte sich so einiges in den englischen Anleitungen auf.
Übrigens strickte ich schon als Jugendliche nach französischen Anleitungen von Pingouin und Phildar, die es bei uns in Grenznähe zu kaufen gab. Und dazu gab es auch genügend Elsässerinnen, die hier arbeiteten und gerne Übersetzungshilfe gaben.

Das war alles vor der Internet-Zeit, wo man seit ca. 1999 mannigfach Übersetzungslisten für englisch-deutsche Strick- und Häkelbegriffe downloaden kann. Ich weiß noch genau, dass Rosemarie Kaufmann von Wolle & Design unter den beiden ersten war. Die andere war von Granny’s Garrett.

Es ergab sich vor einigen Wochen im www.Strickforum.de, dass Alpi http://alpis-farbenrausch.blogspot.de/
nach einer Übersetzungsmöglichkeit für diese Anleitung fragte. http://www.garn.dk/product.asp?product=5149 Es gibt sie nämlich nur auf Dänisch. Na, das war doch eine Herausforderung für mich, ich kannte zu dem Zeitpunkt kein einziges dänisches Wort! Und ich hatte eine Kone Maschinenstrickgarn in passender Farbe, das ich 4-fädig verwendete.

Wie ging ich also vor? Zunächst zu Garnstudio http://www.garnstudio.com/ um die Übersetzungsliste für Strickausdrücke auf Dänisch herunter zu laden http://www.garnstudio.com/lang/de/ordliste.php?list=deeeczis .
Den Rest des Textes übersetzte ich mit Hilfe des Google-Übersetzers in den ich jedes Wort eintippte. Ja, eintippte, weil sich die PDF nicht in den Lesemodus umwandeln ließ und Cut&Paste ermöglichte. Was dabei heraus kam, war ein großer Lacherfolg, aber mit etwas Logik konnte man sich gut durchbeißen. Was daraus geworden ist, seht ihr nebenstehend und bei Ravelry.
Beobachtung 1: öfter erschloss sich der Sinn des Textes beim Eintippen der Worte besser, als wenn der ganze Satz da stand.
Beobachtung 2: ich entdeckte in der Anleitung gleich drei Fehler, die sicher auch anderen geübten Strickerinnen sofort aufgefallen wären.
Beobachtung 3: die Vorgehensweise der Designerin gibt eine bescheuert und unsauber aussehende Nackennaht und die Rückenmaschen sollten mit dem Kragen zusammen genäht werden. Nicht mit mir! Ich strickte den Kragenbereich mit offenem Anschlag in einem Stück, nahm nach der erforderlichen Länge die Rückenmaschen aus dem Kragen auf, reanimierte den offenen Anschlag und strickte unverdrossen weiter. Sieht ordentlich aus und erspart überflüssige Näherei. Außer den Fäden und Knöpfen habe ich gar nichts ver- und angenäht.
Beobachtung 4: die Designerin empfiehlt, unter der Achsel für den Korpus 4 Maschen aufzunehmen. Viel zu wenig! Ich nahm aus Erfahrung 10 Maschen dazu. Das verbesserte die Passform entscheidend, es hätten sogar 12 Maschen sein können

Ich konnte mich dank gleicher Maschenprobe ansonsten verlässlich nach der Anleitung richten.
Nebenher habe ich die gängigen Ausdrücke auswendig gelernt, so dass ich schon bald „vom Blatt“ lesen konnte, obwohl sich nach meiner Auffassung bisweilen etwas umständlich ausgedrückt wurde. Nur an entscheidenden Stellen bemühte ich noch den Online-Übersetzer.
Das Garn besteht gemäß der Verkäuferin aus Seide, Schurwolle und Kunstfaser und hat einen Tweedeffekt. Die Seide ist Bouretteseide, das Garn verstrickte sich zwar wie Paketkordel, hielt aber die Hände fein trocken. Ich liebe es! Die Knöpfe habe ich aus meiner Knopfschachtel, die muss sich ja auch mal leeren.
Die Größe wird von M bis XL angegeben, wobei ich definitiv in die größte Größe hinein passe, während meine „Schöne Helena“ eher die M repräsentiert. Ich könnte theoretisch also heraus schrumpfen.
Aufgeschrieben habe ich nichts, sondern alles „on the go“ gestrickt. Ist ja bei einem RVO auch nicht sonderlich schwer.
Vielen Dank an die Garnfirma und die Designerin für das schöne, angenehm zu strickende Jackendesign!

Es gibt auch noch eine zweite Geschichte. Bei Ravelry sah ich einen sehr schönen Pullover mit plastischem Muster. Ich fragte die Designerin nach der Anleitung und sie sagte, es gäbe sie nur auf Finnisch in einem Finnischen Kunsthandwerksheft, sie habe keine Genehmigung für eine Übersetzung. Das Heft habe ich online gekauft, die Kosten von insgesamt 12 € waren es mir Wert. Wieder druckte ich mir von Garnstudio, diesmal die Finnische Strickliste aus und übersetzte damit die Strickbegriffe. Und wieder tippte ich das restliche in den Google-Übersetzer, bis ich die Anleitung zusammen hatte, immerhin drei Seiten. Finnisch gehört übrigens neben Isländisch und Ungarisch zu den schwierigsten europäischen Sprachen.
Den Pullover habe ich gewaschen, bevor ich ihn fotografiert hatte, das Garn war ungeeignet -was bei der Maschenprobe nicht zutage trat - und das schöne Muster war danach nicht mehr zu sehen, das ganze Ding war ein Lappen, der verschämt entsorgt wurde, das Garn ließ sich nicht mal ribbeln.
Letzten Herbst nun schrieb mich die finnische Designerin an und sagte, sie habe die Anleitung nun ins Englische übersetzt. Ich antwortete ihr, dass ich sie mir selbst aus dem Finnischen ins Deutsche übertragen hätte und es nicht bereute, das schöne Finnische Heft gekauft zu haben.
Sie gab mir die Antwort, die ich deutlicher nicht ausdrücken hätte können:
„Wenn man wirklich etwas stricken _will_, geht das in jeder Sprache“.

Für mich heißt also „…aber ich kann kein Englisch (wahlweise einfügen Urdu, Suaheli, Mandarin)“ übersetzt: ‚Ich bin zu bequem (oder habe zu wenig Selbstbewusstsein), mich der Mühe zu unterziehen, mittels der zahlreichen zur Verfügung stehenden Listen von ausländischen Strickbegriffen und kostenlosen Online-Übersetzern eine eigene Übersetzung zu machen und verzichte so lange darauf, die Anleitung nachzuarbeiten, bis jemand anderes mir diese Anstrengung abnimmt.‘
Zugegeben: es hilft enorm, wenn man etwas Strickerfahrung mitbringt und auch die deutschen Strickbegriffe und ihre manuelle Umsetzung drauf hat. Strickanfängern wird daher empfohlen, sich bei den Zigtausenden deutschen Anleitungen zu bedienen und ein wenig zu üben, bevor sie sich ausländischen Anleitungen zuwenden.

Größere Bilder wie üblich in Ravelry.
http://www.ravelry.com/projects/LanArta/8010-1bc-tinkerbell/

2013-06-21
Für viele Menschen tritt das wirkliche Leben (Leben 1.0) mittlerweile zugunsten des Lebens im Internet (Leben 2.0 ) zurück http://www.stupidedia.org/stupi/Real_Life . Sie verbringen mehr Zeit vor dem Bildschirm als nachts im Bett, und halten reales Leben für mythologische Erbauungsgeschichten ihrer Vorfahren.
„Früher spielten wir abends Monopoly“ hört man da. „Ich war überglücklich, als ich ein Radio mit eingebautem Kassettenrekorder bekam“. Die Enkel gucken fassungslos, vermutlich wie wir, wenn der Opa vom Krieg erzählte.
Vor einiger Zeit waren die Nichten und Neffen zu Besuch und spielten irgendwo zwischen Treppenhaus und Balkon. Irgendwann kam die Meute an unseren Kaffeetisch und einer fragte: „Weiß jemand von euch, was ein Plattenspieler ist?“ Ich glaube, jeder von uns brauchte erst einmal ein paar Sekunden, bis er die hereinschwappenden Erinnerungen an die Zeit der Plattenspieler verdaut hatte. Ein Dual war der Traum der Jugendlichen und natürlich gescheite Lautsprecher-Boxen. Das dürfte eine der wenigen Schnittmengen sein, die zwischen den Generationen in puncto Musik unumstritten ist.

Mein Leben im Internet musste in der letzten Zeit stark zugunsten des richtigen Lebens zurück treten. In der Fastenzeit hatte ich mir vorgenommen, nicht ein einziges Mal in meinen Feedreader zu schauen. Das gelang nicht nur, sondern ich vermisste es auch nicht. Mittlerweile steuere ich direkt Blogs oder andere Seiten an – oder auch nicht. Auch Ravelry bekam eng umrissene Zeiten zugeteilt. Hier macht sich mittlerweile bemerkbar, dass ich nicht mehr so oft drin war. Meine Mailbox dort quillt über, und für das Wochenende habe ich mir Aufarbeitung vorgenommen.
Zum Stricken bin ich auch kaum gekommen. Immerhin bekam ich das Kleid zum Geburtstag meiner Nichte rechtzeitig fertig. Besagte Nichte ließ das Tantenherz diese Woche vor Stolz anschwellen: die Siebenjährige hatte bei der Süddeutschen Meisterschaft in Karate in ihrer Altersklasse den Zweiten Platz errungen und kam mit drei Medaillen nach Hause.

Das Muster des „Mädchentraums“ ist ein Umbau aus Naditas Dreambird, in vielen Sprachen, auch auf deutsch, auf Ravelry erhältlich, auch als Gast zu erwerben http://www.ravelry.com/patterns/library/dreambird-kal
Da ich nicht so die Zeile-für-Zeile-Strickerin bin, habe ich mir – besonders für das Stricken unterwegs – mit Excel rasch ein Schema gebastelt. Die Zwischenräume zwischen den Federn sind glatt-rechts gestrickt, die Federn kraus-rechts. Das Oberteil ist in Rippenstrick mit Miniraglanärmeln. Das Kleid kann auch über einem Shirt getragen werden.
Das weiße ist reines Bambusgarn aus einem Fabrikverkauf von Lanartus, das bunte Garn ist die Evita von Zitron und wird nicht mehr hergestellt. Das Garn hat auch noch eine Geschichte: ich wollte daraus einen Einsatz für ein Kleid machen und orderte bei Strickfreundin Heidrun 350g in eines entsprechendes Garns, weil sie ohnehin zu Zitron fahren und dankenswerterweise meine Garnbestellung mit erledigen wollte. Sie stand bei Zitron und erläuterte Farben, Materialzusammensetzung und dergleichen am Handy. Schließlich fragte sie: willst du zur Sicherheit nicht lieber acht Knäuel statt sieben? Ja, klar, das Garn war auch günstig. Bei der Übergabe meinte Heidrun, dass es noch genau acht Knäuel hatte, dann war Sense mit Evita in lila.
Auf vielfachen Wunsch sei hier die Vorgehensweise skizziert:
1. Anleitung von Nadita besorgen
2. Maschenanschlag: offener oder provisorischer Anschlag über einer Nadel oder einem Faden
3. Je nach Bauchumfang eine gewisse Anzahl Federn stricken, in diesem Fall waren es 18.
4. Vorsicht: es entsteht die Form eines Tellerrocks. Anstatt zuviele Federn zu stricken, lieber an der rechten Seite mehr Maschen stehen lassen (z.B. 15 Maschen anstatt 10 Maschen)
5. Die Maschen nicht abketten, sondern auf der Nadel oder einer extra Nadel stehen lassen. Die stehengelassenen Maschen zeigen den Bauch- oder Taillenumfang an.
6. Mit dem Garn für das Oberteil eine Maschenprobe stricken. Ich habe ein 1/1Rippenmuster gestrickt, aber man kann natürlich auch glatt rechts nehmen, oder was immer man schön findet
7. Anhand der Maschenprobe ausrechnen, wieviele Maschen für die Breite des Oberteils gebraucht werden + Bequemlichkeitszugabe.
8. Anfangs- und Endreihe entweder mit Maschenstich verbinden oder mit drei Nadeln von der Rückseite her zusammenstricken und abketten (siehe "Three-Needle-Bind-Off")
9. Nun die berechneten Maschen von der Maschenprobe mit den vorhandenen Maschen vergleichen. Bei weniger Maschen als die stillgelegten, strickt man Maschen möglichst am Übergang vom einen Federnende zum anderen zusammen. Bei mehr benötigten Maschen nimmt man möglichst an den Übergängen bei den stillgelegten Maschen eine Masche verschränkt auf.
10. Nun im gewünschten Muster bis unter die Achsel stricken. Je nach Wunsch so hoch, dass das Kleid im Empirestil ist oder der Ansatz um die Taille liegt.
11. Maschen für die Ärmel jeweils auf einer Extranadel provisorisch anschlagen, die Maschenanzahl richtet sich nach der Größe des Kindes, also dessen Ärmelumfang und der Maschenprobe.
12. Die Ärmelmaschen passend einfügen, dabei für die Unterarmausschnitte je ca.10 Maschen stillegen. Wie beim Raglanpullober in jeder 2. Runde an der Raglanlinie je zwei Maschen abnehmen, bis die gewünschte Ausschnittgröße erreicht ist, dann abketten oder einen beliebigen Ausschnittabschluss fertigen
13. Die Ärmelmaschen wieder aufnehmen und dazu auch die stillgelegten Unterarmmaschen. Einige Runden im gewünschten Muster stricken und abketten.

Detailfragen kann ich in der nächsten Zeit leider nicht klären. Da müsst ihr euch selbst durchwursteln.

Bilder in größer bei Ravelry
http://www.ravelry.com/projects/LanArta/dreambird-kal


2013-03-28
Hat schon einmal jemand aus Mitleid Wolle gekauft? Nein? Dabei ist das so ein hervorragender Vorwand. Aber er kann nicht oft heran gezogen werden.
An einem Schulbasar im Jahr 2000 begutachtete ich die Angebote und sah zu meinem Erstaunen auch handgesponnene Wolle. Die Anbieterin saß da und ließ ihr Rädchen schnurren. Wir kamen ins Gespräch und sie beklagte sich, dass ja kein Mensch mehr Sinn für Handgesponnenes habe, sie würde jedenfalls kaum etwas verkaufen.
Ich sah mir die Produkte näher an. Sie hatte Berge davon ausgebreitet. Allerdings alles für ca. Nadelstärke 5-7 und alles sehr grob versponnen. „Regenwurmstruktur“ nennen das wohl die Spinnfachleute, die ich oft beobachten konnte. Es gab nur wenig naturfarbenes Garn, das einmal verzwirnt wurde, aber letztlich sah fast alles so aus, wie seitlich abgebildet. Das war übrigens der Rest von 220g Garn. Aus Mitleid kaufte ich zwei Stränge für Insgesamt 20DM, nicht wissend, was daraus einmal werden sollte. Filzbar war es auch nicht, viel zu fest verdrüllt, das sah ich auf Anhieb.
Das Garn lagerte also in den Vorräten, bis ich letztens auf dieser Seite die Abbildung eines Mandalas sah http://www.tapestrycrochet.com/blog/?p=634
http://www.tapestrycrochet.com/blog/wp-content/uploads/esther03.jpg

Das Bild vergrößerte ich und häkelte einfach, was ich sah. Damit habe ich eine neue Technik ausprobiert und gleichzeitig das Garn verbraucht. Als Kontrastfarbe nahm ich ein Garn von Wolle-Rödel, reine Schurwolle. Da es etwas dicker ist, blitzt es unter dem unregelmäßig gesponnenen „Mitleidsgarn“ durch.
Die Technik nennt sich „Tapestry Crochet“. Wer weiß, wie man das auf deutsch nennt, kann mich gern informieren. Der Angetraute beobachtete mich beim Häkeln ohne nähere Information. Er sah sofort, dass es eine Katzendecke werden würde und nannte Sie ein „Katzenmandala“. Die Decke hat ca. 55cm Durchmesser und ist wirklich schön dick. Ich kann mir vorstellen, dass man mit ähnlich dickem Garn schöne warme Stuhlkissen fabrizieren kann.
Ich werde aus der Technik vermutlich einen Einkaufskorb machen. Nachdem am letzten Bolsa-Korb nach 12 Jahren Gebrauch langsam der Boden durchbricht, wird es Zeit für Ersatz.

Größere Bilder bei Ravelry
http://www.ravelry.com/projects/LanArta/mandala-cat-blanket

2013-03-10
„Bei deinen Bildern kommen die Farben immer so gut rüber. Wie machst du das?“ werde ich manchmal gelobt. Oder: „wie schaffst du es, die kleinen Bilder so scharf zu bekommen?“
Dazu muss man erläutern, dass die Bilder rechts im Beitrag maximal 40KB groß sein dürfen.
Oft lese ich in Blogs oder bei Ravelry: „Rot kann man nicht fotografieren“ oder „die Wollmeisen lassen sich einfach nicht farbgetreu ablichten“, sowie „bei dem schlechten Wetter macht meine Kamera keine guten Bilder“.

Das dies nicht gelingt, liegt weder an der Farbe, noch am Garn, nur geringfügig am Wetter und schon gar nicht an vermeintlich billigen oder unfähigen Digitalkamera. Mit jedem Handy und Smartphone lassen sich farbgetreue Bilder machen. Woran liegt es also, dass man immer wieder diese unsinnigen Aussagen lesen muss?
An zwei Gründen. In erster Linie ist es das Licht, das die Farben unterschiedlich erscheinen lässt. Physikalische Ausführungen über die Newton’sche Farbenlehre möchte ich der Leserschaft ersparen. Jedoch ein kleiner Hinweis auf die Farbtemperatur muss erlaubt sein. Die Farbtemperatur kommt vom unterschiedlichen Licht, das jeweils auf die fotografierten Objekte trifft. Das menschliche Auge kann sich auf die verschiedenen Lichtverhältnisse schnell einstellen, aber die Kamera benötigt dazu eine Steuerung. Sonnenlicht hat eine andere Farbtemperatur als Glühlampen, Neonröhren oder LEDs. Die Farbtemperatur hat nichts mit der herkömmlichen Vorstellung von Temperatur zu tun, es ist eine Maßeinheit, die in Kelvin gemessen wird. Einige haben sicher das „kalte“ Licht der Neonröhren vor Augen oder das „warme“ Licht einer Glühbirne.

Der zweite Grund für farbverfälschte Bilder ist der Mensch. Er ist nämlich schlicht zu bequem, die Bedienungsanleitung seiner Kamera zu lesen und zu befolgen. Jede, auch die einfachste, hat einen sogenannten Weißabgleich, die Abkürzung WB zeigt das Knöpfchen zur Einstellung. Zu lernen, wie man bei der eigenen Kamera einen Weißabgleich macht, dauert wenige Minuten, und man kann danach die Sätze „Meine Kamera kann kein Rot fotografieren“ oder „das Blau sieht in echt viel besser aus“ aus seinem Vokabular streichen. Sogar schwarze Objekte sehen passabel aus, wenn man vor dem Auslösen der Kamera den Weißabgleich macht.
Zwei Dinge lassen also meine Bilder manierlich aussehen: das gute Licht und der Weißabgleich. Hier kann man sehen und nachlesen, was es mit dem Weißabgleich auf sich hat http://achtung-poster.de/blog/weisabgleich/
Und wer lernen möchte, wie sein abgelichtetes Rot auch wie „in echt“ aussieht, guckt in die Bedienungsanleitung seiner Kamera. Wer die verschusselt hat: Google hilft weiter.
Hier sieht man den Unterschied genau: rechts die Originalfarben, links wurde wenigstens der automatische Weißabgleich benutzt und in der Mitte wurde eine supertolle Kamera dilettantisch benutzt: draufhalten und abdrücken im Hausflur mit Tageslicht. Da kann man sagen: in Wirklichkeit sieht das ganz anders aus
http://www.bilder-hochladen.net/files/1p0s-w1-3a15-jpg.html

Nun zum Projekt. Wenn wir im September die Badische Revolution 1848 an unserem Theaterwochenende spielen, kann es ganz schön kalt sein, besonders nachts. Die Biedermeier-Kleidung war denkbar unbequem an den Ärmeln. Sogenannte „Schinkenärmel“ waren so voluminös, dass man keine Mäntel tragen konnte, sondern Tücher, Stolen und Paletots umwand. Da es in unserem Kostümfundus nur Häkeltücher gibt, habe ich mir etwas Passendes angefertigt.
Da die Revolution den Übergang zwischen Biedermeier und Realismus markiert, heißt das Tuch genau so: „Zwischen Biedermeier und Realismus“.
Die Anleitung heißt im Original ‚Eliza Shawl‘ und ist – nur auf englisch – von Robyn Gallimore. Hierfür habe ich einen Gutschein von Frau M aus J bei http://www.patternfish.com/ eingelöst, danke noch einmal, das war der Auslöser, das Tuch zu stricken.

Als Garn habe ich das Farbverlaufsgarn Aade long 8/2 benutzt (500g), das ähnlich wie Kauni ist, jedoch schon im Vorfeld weicher. Beim Waschen plüscht es schön auf und wird nochmals geschmeidiger. Ich habe mit Nadelstärke 4mm gestrickt und natürlich einige Veränderungen vorgenommen.
Einerseits habe ich zwei Motivreihen mehr gearbeitet, das Originaltuch ist relativ kurz und hat auch eine eigentümliche Form, eher drachenartig als dreieckig. Durch Spannen im feuchten Zustand ließ sich das gut ausgleichen.
Die Oberkante habe ich mit einem Rollrand versehen, bei dem die linke Seite außen ist, im Original ist es die rechte. Die Bilder zeigen, dass dies an den Ecken sehr harmonisch wirkt.
Die Kante habe ich einfach so lange gestrickt, bis das rote Garn zuende war, ich habe gerade noch zwei Meter übrig.
Das Tuch wird in tradtioneller Fair-Isle-Technik gearbeitet, also mit Steek. Das übliche Gewinsel, wenn der Schnitt ansteht, ist überflüssig. Von Churchy, einer professionellen Maschinenstrickerin habe ich gelernt, dass man den Steek vor dem Schneiden und nähen bügeln/ dämpfen soll. Das habe ich auch gemacht und das Tuch zum Schneiden auf das Bügelbrett gelegt. So kommt man auch nicht in Gefahr, falsche Fäden durchzutrennen.

Mehr Bilder sind bei Ravelry zu sehen – in den Originalfarben. Sowohl die Rottöne als auch die verschiedenen Blaus ließen sich ohne Murren ablichten. http://www.ravelry.com/projects/LanArta/eliza-shawl

2013-02-26
Das Geburtstagsgeschenk für meine älteste Nichte ist wieder einmal etwas in verkürzten Reihen. Und zwar zum einen verkürzte Reihen für die Formgebung des Schnitts in A-Linie und andererseits verkürzte Reihen für die organischen Formen.
Ein Wort zuvor:
Mittlerweile ist das Stricken von verkürzten Reihen zu höherem Bekanntheitsgrad gelangt. Dazu haben Gabi Kluge, Ruth Kindla und Heidrun Liegmann wesentlich beigetragen.
Jede der drei Designerinnen setzt das Thema auf ihre Weise um. Während Ruth Kindla mit festen Schemata arbeitet, lernt man bei den anderen beiden Designerinnen das freie Stricken. Die Initiatorin Gabi Kluge, bei der ich die Technik gelernt habe, bietet auf www.strickrausch.de Präsenzveranstaltungen und Online-Kurse an, während Heidrun Liegmann bei http://swing-stricken.de/ schriftliche Schritt-für-Schritt-Anleitungen für die geschwungenen Formen in aufeinander aufbauenden Kursunterlagen bereit hält und auch Präsenzkurse erteilt.
Hier möchte ich mit meinen eigenen Worten und Definitionen zwei Arten des Strickens mit verkürzten Reihen unterscheiden. Zum einen das "geführte Stricken“ der organisch wirkenden Felder, zum anderen das „freie Stricken“.
Beim geführten Swing-Stricken sind die Anleitungen so gestaltet, dass die Felder „genau passend“ hin und her schwingen. Das wird vorher von der Designerin berechnet, so dass auch der Anfängerin nichts misslingen kann. Ruth Kindlas Designs beispielsweise basieren auf geführtem Stricken der verkürzten Reihen. Hier wird jedoch keinerlei Technik vermittelt, wie man selbst Designs mit verkürzten Reihen entwerfen kann.
Bei den ersten drei Kursen von Heidrun Liegman wird man über verschiedene Projekte in die Technik eingeführt, um sofortige Erfolgserlebnisse zu haben.
Es gibt mittlerweile viele Projekt-Anleitungen für „geführtes“ Swing-Stricken, aber nur eine für das freie Stricken mit verkürzten Reihen, die man erst dann nachvollziehen kann, wenn man die drei genannten Workshops durchgearbeitet hat. Hierbei gelten einige Regeln, die für sich genommen nur den fortgeschrittenen Strickerinnen in der Technik etwas sagen.
Wenn ich schreibe 7-5-3-3-2-2-2-2-2-3-3-5-7 und Feldbreite = 32 und die Anzahl der anzuschlagenden Maschen nenne, kann jeder, der einen Präsenzkurs gemacht oder die drei Kursbausteine abgearbeitet hat, verstehen, was ich meine und meterweise nach diesen Angaben stricken.
Beim freien Stricken ist nichts vorhersehbar. Man kann nicht im Vorfeld sagen, wie beispielsweise Reihe 87 gestrickt werden müsste, weil nicht berechenbar ist, wie es in Reihe 87 aussieht. Ich weiß aber, was zu tun ist, wenn ich in Reihe 87 bin. Dafür gibt es Regeln, anhand derer ich mich voran arbeite. Sicherheitsnadeln in verschiedenen Farbtönen helfen mir beim Markieren der Verkürzungen. Die „Standorte“ der Sicherheitsnadeln ändern sich von Reihe zu Reihe. Auch unterscheidet sich jedes Farbfeld vom anderen. Das dürfte deutlich machen, warum es keine Anleitungen für Modelle in freiem Stricken von verkürzten Reihen geben kann. Man müsste jede Reihe aufschreiben und eine Anleitung auf 60-100 Seiten unterbringen. Das will keiner ohne eine angemessene Bezahlung. Und es wäre dann auch kein freies Stricken mehr. Es ist eine fortgeschrittene Disziplin, die man auch keinem in drei Sätzen beibringen kann, der schon 40 Jahre strickt.
Oft genug bekomme ich Mails mit der Frage, ob ich nicht mal eben kurz erklären könne, wie ich das gemacht hätte, man würde ja schon Jahrzehnte stricken und sei geübt. Ich kann nur auf die oben genannten Ansprechpersonen für Kurse verweisen.

Das Overtop mit Flügelärmeln für meine Nichte wurde in DROPS Delight Garn gestrickt, mit Nadelstärke 3,5.
An den Zählfäden in einem Bild kann man erkennen, dass umfassende Kennzeichnungen notwendig sind, die man nicht mit ein paar Maschenmarkierern geregelt bekommt. Neben den drei Zählfäden, die garantieren, dass trotz der verkürzten Reihen überall die gleiche Reihenzahl gestrickt wird, waren zusätzlich 30-40 Sicherheitsnadeln in drei Farben im Spiel, welche die verkürzten Reihen markiert haben.
So aufwändig sieht das Ganze gar nicht aus und ist auch von der Machart nicht kompliziert, wenn man die Regeln beherrscht und mit Dreisatz und Schnittzeichnungen umgehen kann. Da gibt es keinen Schnittrechner, der einem das kalkuliert. Genau das ist auch der Reiz des freien Swing-Strickens, Unikate zu entwerfen, die kein Mensch nacharbeiten kann, nicht einmal man selbst. Ein zweites Stück kann nur ähnlich, aber nie gleich werden.
In Ermangelung eines Models muss mal wieder meine schöne Helena herhalten.

Mehr Bilder bei Ravelry


http://www.ravelry.com/projects/LanArta/lilette

2013-02-11
Erinnert sich noch jemand an Sepp Herberger? Es war der Bundestrainer mit einer interessanten Biografie, der die deutsche Elf 1954 zur Fußball-Weltmeisterschaft geführt hatte. Ein Ereignis nicht nur wegen der spannenden Austragung, sondern, weil man im Nachhinein feststellte, dass auch seinerzeit schon heftig gedopt wurde. Frühe Todesfälle überdurchschnittlich vieler Sportler aus dieser Zeit und nachträgliche Bekenntnisse werfen im Nachhinein einen traurigen Blick auf gloriose Ereignisse.
Die Brüder und Cousins in meinem Alter weigerten sich in unserer Jugend das zu tragen, was abfällig die „Sepp-Herberger-Gedächtnissandale“ genannt wurde. Rechts sieht man beispielhaft die damals geschmähte Fußbekleidung, die aber sicher bald wieder fröhliche Urständ feiern wird. Warten wir nur lange genug, dann wird sie bestimmt wieder modern. Die Bilder sind übrigens zwei Auktionen entnommen, die Urheberinnen sind Susanne Schmolke aus Gronau und Tanja Melek aus Fulda.

Noch gar nicht Vintage sind Sepp Herbergers Sprüche, die jeder Fußballfan kennen dürfte:
„Der Ball ist rund“, „Das Spiel dauert 90 Minuten“ oder „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“. Gleichermaßen auf den Punkt gebracht wird das Ziel des Fußballspiels mit der Anweisung: *Das Runde muss in das Eckige*.
So lautet auch der Titel nebenstehenden Bildes

Gestrickt wurde das Illusions-Bild mit der nun schon häufig erwähnten Lacotta, zwei Nadelstärken geringer als auf der Banderole angegeben, um ein dichtes Gewebe zu erzielen. Insgesamt ist es 80cm x 80cm groß, mit umlaufendem Rand. Die 5 Farben ergeben insgesamt 25 Kombinationen, wobei jede Farbe einmal Vordergrund, einmal Hintergrund ist und einmal beides gleichzeitig.
Die Farbstreifen wurden alle gleichzeitig gestrickt, so dass man immer mit 5 Knäueln gleichzeitig hantierte.
Die Kaufanleitung gibt es nur auf Englisch, aber mit einem Diagramm hier bei Woolly Thoughts, die das Design auch entwickelt haben
http://www.illusionknitting.woollythoughts.com/squares.html
Das Bild ist in der Anleitung jedoch ohne Rahmen beschrieben
Wie das Bild auf den Rahmen kommt, habe ich bei Ravelry in einem anderen Projekt gezeigt.
http://www.ravelry.com/projects/LanArta/soccer-ball-illusion-knit

Das Bild hängt nun bei Bruder und Schwägerin im Treppenhaus. Sie freuen sich, dass sie endlich einmal ein großformatiges Bild haben.

Ins gleiche Haus ging das „Schlumperle“, nach der kostenlosen Knubbelchen-Anleitung von Pezi http://www.ravelry.com/patterns/library/knubbelchen
Meine jüngste Nichte bekam das Knotenmännchen zur Vollendung des ersten Lebensjahres und schloss es gleich ins Herz. Gestrickt aus Resten von DROPS-Delight und ca. 5m Sockenwolle verbrauchte das ganze Figürchen nur 35g Garn. Das Gesichtchen habe ich geformt und Augen und Mund nur angedeutet. Ich mag diese platten aufgestickten Grinsemasken nicht. Und das Kind soll auch Gelegenheit haben, den passenden Gesichtsausdruck in das Gesicht hinein zu interpretieren.
Ich habe noch eine weitere Änderung eingearbeitet: am Original gefällt mir nicht, dass der Hals so faltig zusammen gezurrt ist. Das habe ich abgeändert, indem ich vor dem Farbwechsel zum Körper ein paar Maschen abgenommen habe, die in der zweiten Reihe der Körperfarbe wieder hinzu genommen wurden.

Insgesamt ist die Anleitung schön variabel, so dass jeder seine eigene Variante anfertigen kann.

Die beiden Strickprojekte auf Ravelry
http://www.ravelry.com/projects/LanArta/squares-that-look-round
http://www.ravelry.com/projects/LanArta/knubbelchen

Datensatz 11 bis 20 von 256
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