Willkommen im Stricktagebuch von Michaela
... und immer ein paar Maschen auf den Nadeln
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2010-07-26
Immer wieder kommt es vor, dass Stricknetz-Mitglieder (oder heißt das Mitgliedinnen?) für Nachwuchs sorgen. Ob dieser dann ebenfalls dem Strickhobby huldigen wird, vermag ich nicht vorauszusagen. Meine Kristallkugel hat schon seit einiger Zeit einen Sprung und da wird wohl auch nichts mehr zu machen sein. Und dann kommt ja oft der bekannte Sachverhalt dazu, dass die Kinder in fortgeschrittenem Alter dazu tendieren, das Gegenteil der Vorstellungen ihrer Eltern zu machen. Wer kennt nicht Roger Ciceros Song „Spontis zeugen Banker“? http://www.youtube.com/watch?v=F_4AcUeZ0LA
Für Neugeborene, deren Mütter ich kenne – die Väter treten auf den Treffen nicht immer in Erscheinung – stricke ich auch einmal gern ein kleines Geschenk. Häufig etwas, dass ich selbst als junge Mutter zu schätzen wusste.
Dieses Mal habe ich mich für zwei Windelhöschen entschieden. Ich selbst habe unseren Nachwuchs mit Stoffwindeln gewickelt und nur bei Reisen oder Tagestrips woandershin zu Papierwindeln gegriffen. Wie heißen die Teile eigentlich, wenn man nicht „Pampers“ schreiben will? Der Babypo dankte es mir: die Windeldermatitis trat nur auf, wenn mehrere Tage die – jetzt habe ich’s! – Einmalwindeln getragen wurden.
In die Stoffwindeln kam natürlich auch eine Papiereinlage, die praktischen Eigenschaften davon will ich nun nicht näher erläutern. Fixiert wurden die Stoffwindeln mit speziellen gestrickten Windelhosen aus Wolle, die auch überschüssige Flüssigkeit aufsaugten, wenn mal der Zeitpunkt zum Wechseln überschritten wurde.
Praktischerweise wohnten wir noch mit drei anderen Windelkindern in einem Haus, so dass wir einen Sonderpreis bekamen, wenn der Windeldienst, bei dem wir die Stoffwindeln waschen ließen, die geruchsdichten Eimer abholte.
Mit den Stoffwindeln zahlten wir also pro Windelung weniger, schonten die Babypos, hatten nur geringfügig Müll durch die dünne Zellstoffauflage und auch kaum Arbeit damit. Später gesellte sich noch ein weiterer Vorteil dazu: alle Stoffwindelkinder waren viel schneller „trocken“ als die Einmalwindelkinder, was neiderfüllte Mütter vermuten ließ, wir hätten eine strenge Töpfchenerziehung durchgeführt. Und noch einen Vorteil gab es, und nun kommen die Windelhöschen ins Spiel. Gerne ließen wir die Kinder auch einmal ohne Windelpaket liegen oder krabbeln. Damit trotzdem nichts auf den Teppich oder die Unterlage tröpfelte, wurden die wollenen Windelhöschen anzezogen. Durch den „doppelten Nässeschutz“ im Schritt, konnte so mancher Flüssigkeitsverlust aufgesogen werden.
Die Höschen wurden dann in der Maschine gewaschen und waren schnell wieder einsatzfähig.
Für meine Schwägerin hatte ich mir einige Anleitungen aus dem Internet ausgedruckt, diese kamen aber nicht zum Einsatz, weil andere Stricksachen gewünscht wurden. Nun kramte ich die Anleitungen wieder hervor. Leider habe ich sie nach dem Stricken entsorgt, so dass ich nun nicht mehr die Quellen nennen kann. Aber bei Ravelry gibt es jede Menge Höschenanleitungen.
Die Höschen wurden aus verschiedenen Sockengarnen gestrickt, und zwar mit doppeltem Faden. Einmal aus der „Doppio“ von www.wollerey.de und einmal aus einem Geschenkknäuel von www.dibadu.de mit einem Rest Merino superwash von Lang.
Wie uneinheitlich Größenangaben sein können, sieht man an den Höschen. Das kleinere ist die Größe „Mittel“ und das größere ist die Größe „klein“
http://www.bilder-hochladen.net/files/1p0s-ju-jpg.html

2010-07-13
Eifrige Leserinnen und Leser des Stricktagebuchs haben bereits bemerkt, dass meine Nichten und Neffen mit selbstgemachtem Spielzeug „erfreut“ werden.
Diesmal traf es meine beiden Neffen, die ein und drei Jahre alt wurden, kurz hintereinander.
Es war eine willkommene Gelegenheit, zwei Designs zu stricken, deren Anleitungen ich mir schon lange vorgemerkt hatte.
Der jüngere Neffe bekam Norberta, die Anleitung ist aus der Knitty http://knitty.com/ISSUEwinter06/PATTnorberta.html .
Hier wurden Reste von Rowan Handknit DK Cotton verwendet, sowie ein rotes Häkelgarn, das die brävliche Farbgestaltung etwas aufpeppte. Dieser kleine Drachen war verhältnismäßig schnell angefertigt. http://www.bilder-hochladen.net/files/1p0s-jr-jpg.html . Für die Besorgten: die Augen habe ich mit doppelter Zahnseide angenäht.

Das weitaus aufwändigere Modell stammt aus dem Hause Alan Dart und nennt sich „Devilish Dragon“. http://www.alandart.co.uk/products/product/9 . Alan Dart meint, trotz seines Aussehens sei der Drachen ein alter Softie. Mein Neffe hatte aber beim Auspacken gebührenden Respekt. Verstandesmäßig sagte er, dass es nur ein Kuscheldrachen sei, aber als es heftig gewitterte, sprach er dem Drachen doch magische Kräfte zu und fragte, ob er einen wohl vor Blitz und Donner schützen würde. Meine Schwägerin versichterte, dass er Blitz und Donner mit Sicherheit nicht ins Haus lassen würde. Dann wurde er aufs Fensterbrett gestellt und waltete dort seines Amtes als Gewitterdompteur, der die Naturgewalten im Griff, bzw. in der Klaue hatte. Der Devilish Dragon bekam vom Neffen den Namen Cornelius.

Anfertigungstechnisch war der kleine Teufelsdrachen eine zeitintensive Aktion. Derweil hätte ich mindestens einen halben Pullover angefertigt – von Hand, nicht maschinell.
Mag jemand raten, wieviele Teile das Tierchen hat? Hier gebe ich euch einen kleinen Hinweis * grins * http://www.bilder-hochladen.net/files/1p0s-js-jpg.html
Die größeren Teile sind aus Sockenwolle, der Kleinkram aus meiner Sammlung mit Stickgarnen. Da habe ich eine reichhaltige Farbauswahl. Ich habe mit Nadelstärke 2 gestrickt, damit die Figur nicht so groß würde. Das Original ist 41cm groß, Cornelius bringt es auf 27cm.
Den Unterschied hat man auch bei der Frickelei gemerkt. Die kleinen Zehen und Krallen zu stopfen war fast unmöglich. Beim Zusammenfügen hätte ich vielleicht einen Großausdruck von der Figur machen sollen, dann hätte ich einige der Kleinteile anders aneinandergefügt. Insbesondere die Beine kommen mir im Vergleich zur bildschirmgroßen Darstellung etwas anders vor. Die Nüstern hätten eine 90Grad-Drehung gebraucht. Egal, es ist ein Unikat und kein Mensch wird nach Einzelheiten oder dem exakten Duplikat der Vorlage fragen.
Die englische Anleitung gibt es auf der oben genannten Website und umfasst 6 Seiten. Um Papier zu sparen habe ich alles auf 1,5 Seiten ausgedruckt und das war wirklich sehr winzig. Das Bild briefmarkengroß, der Text vielleich 6punkt stark.
Hier noch einige Bilder des Werdeganges:
http://www.bilder-hochladen.net/files/1p0s-jq-jpg.html

Bei diesem Bild kam mir unmittelbar der Gedanke, dass wir auch heute noch Nachfahren von Sauriern haben, nämlich die Vögel. Während alle anderen Dinosaurier ausgestorben sind, haben die Vogelsaurier das Massensterben überlebt. In diesem Stadium hätte der Drache fast auch noch ein Vogel werden können, wenn auch ein eher fluguntauglicher.
http://www.bilder-hochladen.net/files/1p0s-jt-jpg.html .

Die Rückenplatten habe ich etwas wellenförmig aufgenäht, um Bewegung zu simulieren
http://www.bilder-hochladen.net/files/1p0s-jm-jpg.html.

Von der Seite sieht Cornelius fast ein wenig verunsichert aus
http://www.bilder-hochladen.net/files/1p0s-jl-jpg.html

Die Augen habe ich noch einmal nachgestickt, nachdem ich auf den Bildern gesehen habe, dass sie nicht ganz stimmig sind. Ich hatte bis morgens um vier an Cornelius gearbeitet, weil der Besuch der Schwiegerfamilie anstand und dann Übergabetermin sein sollte. Bei Tagestemperaturen um 37 Grad konnte mich nicht einmal der bevorstehende Abgabetermin recht antreiben.
Hier noch ein Größenvergleich zwischen Cornelius und Norberta.
http://www.bilder-hochladen.net/files/1p0s-jk-jpg.html

Die beiden Drachen passen auch gerade zur Wollschaffrage, bei der es um Amigurumis geht. Ein echter Zufall, dass die Frage gerade jetzt kommt. Gestellt hatte ich sie schon vor vielen Wochen.
http://board.stricknetz.net/blog/35/entry-7015-die-verstrickte-dienstagsfrage-282010/

2010-06-29
Dieses Modell hat einige Metamorphosen durchgemacht. Das „Flower Child“-Original von Norah Gaughan ist kurzärmlig und aus Baumwolle gestrickt.
Ich habe das Modell einem Paket aus meinem Garnvorrat angepasst. Das edle Garn ist aus 100 % Seide und wurde mit Nadelstärke 3 verarbeitet. Als Überraschungspaket war es von einer Strickfreundin aus dem Saarland geschickt worden. Ziemlich schnell war klar, dass das Garn mein Vorhaben gut unterstützt.

Norah Gaughan hat das Modell aus zehn Teilen geplant, die alle zusammengenäht werden müssen. Aber nicht von mir. Ich habe die Konstruktion so abgewandelt, dass es ein Vorder- und ein Rückenteil gibt und nicht einmal da habe ich genäht, sondern die Teile wurden zusammengestrickt und abgekettet. Ich habe also das getan, was man auf englisch „three-needle bind-off“ nennt. Ich würde es „zusammenstrickendes Abketten“ nennen.
Die einzigen kurzen Nähte gab es unter den Armen, bis ich auch dort nach den erforderlichen Abnahmen alles rund stricken konnte. Und der kurze Kragen musste auch angenäht werden.

Vorgegangen bin ich wie üblich: zunächst habe ich mir eine Skizze anhand der Vorlage im Anleitungsheft erstellt. Dort habe ich mir vermittels der Maschenprobe markiert, wo sich entscheidende Strickvorgänge abspielen. Wann Änderungen bei den Zu- oder Abnahmen erfolgen und dergleichen. Auch die Maschenzahlen habe ich mir an den entsprechenden Stellen notiert.
Das Original sieht am Rücken keine Blume vor, aufgrund der Garnverteilung habe ich dort aber ebenfalls eine angefertigt. Die Schulter- und Seitenabnahmen habe ich mit verkürzten Reihen gemacht und nach Beendigung zusammenstrickend abgekettet. Ich wollte lange Ärmel und habe diese als nächstes gestrickt, mit einem cremefarbenen Bündchen. Dann wurde das letzte blaue Garn ringsum am Bund vernadelt und mit mit dem Rest Creme beendet. An die Bündchen habe ich zur Festigung ringsum ein I-Cord oder angestricktes Kordelband angefügt. Ich hatte zum Schluss noch 76 cm Garn übrig.
Meine Entscheidung, die großen Flächen mit einem Strukturmuster zu versehen entsprang dem Entsetzen, diese ganzen Areale in langweiligem glatt-rechts Muster zu stricken. Letztlich stellte sich diese Entscheidung als wegweisend heraus, denn beim Rundstricken der Bündchen merkte ich, dass das Garn Drall hatte und schrägelte.
Was ich erst bemerkte, nachdem ich die Tunika gewaschen und getrocknet hatte, war die andere Farbpartie beim letzten Strang Garn. Mich stört es nicht, dass dieses Garn eine Spur dunkler ist.

Wie bekannt ist, längen sich Seide und Viscose aufgrund der Glätte des Garnes gewaltig. Daher hatte ich schon sehr fest gestrickt, aber der Bund rutschte dennoch gute 15cm nach unten und wegen des Strickens in alle Richtungen gab es auch seitlich nochmals Zulagen.
Für den Alltag ist die Tunika nicht geeignet. Die feinen Seidenfädchen bleiben unglaublich schnell irgendwo hängen und ziehen Schläufchen heraus. Es ist also darauf zu achten, wo man sich hinsetzt, grobe Holzbänke sind nicht geeignet.
Ich hatte die Tunika am Samstag zum Einkaufen an und habe noch nie soviel Lob in so kurzer Zeit eingeheimst. Schon der Angetraute verströmte anerkennende Worte. Die Frau am Stand, wo ich Dinkelbrot und Gemüse kaufe, war hingerissen. Die Damen bei den Oliven und dem Schafskäse wollten gar die Machart wissen, fanden meine Erläuterungen dann aber doch zu kompliziert. Dann sprach mich noch ein Feriengast an und fragte, ob die Blume geklöppelt sei. Am Nachmittag habe ich etwas abgeholt und die üblicherweise sehr reservierte Dame taute regelrecht auf. Schließlich machte ich am Sonntag einen Kundenbesuch und die Dame, ebenfalls des Strickens kundig, klingelte sogar ihre Nachbarin heraus, damit diese die Tunika bewundere. Seither hatte ich sie übrigens nicht mehr an, bei 35 Grad im Schatten waren mir die langen Ärmel dann doch zu warm.

Wer nun angefixt ist, will sicher die Bezugsquelle für das Muster wissen. Auf deutsch gibt es die Anleitung meines Wissens nicht. Das Anleitungsheft auf englisch kann man beispielsweise bei Tichiros Strickspezialitäten kaufen. Es heißt „Norah Gaughan Vol. 4“
http://tichiro.net/shop/index.php?cPath=1_17&sort=2a&page=2&osCsid=16246e0234a9cb6479a40c4e7c3a46ae

Die einzelnen Stationen des Strickens habe ich bildlich festgehalten und zu einer Fotostory /Video zusammengestellt.
Hier der Link zu youtube
http://www.youtube.com/watch?v=1VoLeO0C8-c

2010-06-22
Die heutige Wollschaffrage ist von mir
http://board.stricknetz.net/blog/35/entry-7014-die-verstrickte-dienstagsfrage-252010/
Mir fällt auf, dass es immer mehr Vorlagen zum Stricken von Haushaltsgegenständen gibt und ich sehe auch in den Blogs interessante Strickstücke. Ich möchte keine Abgrenzung zwischen Gebrauchsgegenständen und Dekorativem machen, weil die Grenzen teilweise fließend sind. Hier ein paar Beispiele:
Topflappen, Gläseruntersetzer, Spül-/Wischlappen, Schutzhüllen für heiße Gläser oder Tassen, Kunststrickdeckchen, Eierwärmer, Blumenübertöpfe, Teekannenwärmer,Toilettenrollen-Stölpchen, Tischsets/Tellerunterlagen, Topfuntersetzer, Lesezeichen, Einkaufstaschen, Halterungen für die Fernbedienung, Bade"schwämme", um eine kleine Auswahl zur Anregung zu nennen.

- Hast du schon einmal Haushaltsgegenstände gestrickt? Welche?
Ich habe einmal an einem sehr lustigen Stölpchenwettbewerb teilgenommen.
Hier kann man das eingereichte Exemplar sehen.
http://www.maus-kreativ-handarbeiten.net/framest.html
Für einen weiteren Wettbewerb habe ich einige Eierwärmer entworfen
http://www.maus-kreativ-handarbeiten.net/framest.html
Außerdem habe ich schon Uhren gestrickt
http://www.stricktagebuch.de/stb.php?stbid=141&datstart=141
Als Wichtel habe ich Wärmflaschenhüllen gefertigt
Diverse Badematten, siehe rechts
Dann habe ich 2005 Schattenmuster an Topflappen ausprobiert
http://www.stricktagebuch.de/stb.php?stbid=141&datstart=170
Dann gab es einige Wollkörbe, auch als Katzenkörbe und Zugluftrollen.
Und fast hätte ich es vergessen:
meine Einkaufskörbe habe ich repariert und die reparierten Griffe verstrickt
http://www.bilder-hochladen.net/files/1p0s-jd-jpg.html

- Wenn du noch keine gestrickt hast: warum nicht?
ENTFÄLLT

- Hast du für den eigenen Haushalt oder zum Verschenken gestrickt?
Zum Verschenken

- Strickst du diese regelmäßig oder lässt du dich anstecken, wenn sie gerade als Hype durch die Blogs wandern?
Weder noch. Ich stricke sie, wenn es mir als Geschenk passend erscheint.

- Entwirfst du selbst oder verwendest du Vorlagen?
Bis jetzt habe ich alles selbst entworfen, bis auf die Topflappen

- Strickst du sie aus Bedarf oder "für Spaß"?
Aus Bedarf an einem Geschenk oder "für Spaß", wie bei den Stölpchen oder den Eierwärmern

Herzlichen Dank an Michaela für die heutige Frage!
Bitte, gerne

2010-06-10
Stricken für eine gute Sache hat eine lange Tradition.
Dabei möchte ich zwei Arten unterscheiden. Zum einen das Stricken von Dingen, die den Bedürftigen direkt zugute kommen, zum anderen das Anfertigen von Strickwaren, die zugunsten Karitativer Einrichtungen, Organisationen etc. verkauft werden. Ich möchte mich auf die erste Variante beschränken.

Für meinen Bericht im Stricktagebuch habe ich ein wenig recherchiert, um den Ursprung des karitativen Strickens herauszufinden. Das ist mir leider nicht gelungen. Die ältesten Daten, die ich finden konnte, gehen auf das 17. Jahrhundert zurück, wo Decken und Kleidung für Waisenhauskinder und Arme gestrickt wurden, zumeist von Bürgersfrauen, die in kirchlichen Organisationen Stricknachmittage abhielten.
Diese Tradition kann man heute noch finden.
Sehr erstaunt hat mich, dass es Frauengruppen in Kirchengruppen gibt, die heute noch Lepra-Binden stricken, das habe ich zuletzt in den 60-er und 70-er Jahren bei der Katholischen Frauengruppe in meinem Heimatort gesehen.
Das Thema „Karitatives Stricken“ ist so vielschichtig, dass ich mit einem Seniorenstudium liebäugle, wo ich das Thema als Doktorarbeit verwursten könnte

In den angelsächsichen Ländern scheint das Charity Knitting etwas verbreiteter zu sein als hier. Beispielhaft möchte ich auf diese Seite aus England verweisen
http://www.eparenting.co.uk/knitfest/charityknitting.shtml
Und eine Zusammenstellung aus den USA von Interweave Knits
http://www.interweaveknits.com/community/charities.asp
Für Deutschland habe ich leider keine Zusammenstellung mit Aktionen gefunden, wo für einen guten Zweck gestrickt wird. Vielfach wird dies in kleinen Gruppen oder christlichen Gemeinden umgesetzt. Wobei hier nicht nur der Zweck im Vordergrund steht, sondern auch das Zusammengehörigkeitsgefühl und die kommunikativen Elemente beim gemeinsamen Stricken. Kaffeekränzchen mit sinnvollem Nebeneffekt vor dem Hintergrund christlicher Nächstenliebe.
Indes gibt es seit einigen Jahren - dank Internet – etliche Aktionen, die deutschlandweit umgesetzt werden.
Meine erste Begegnung mit einer Kampagne, die überregional stattgefunden hat und meines Wissens die erste und größte ihrer Art, war Annies Aktion „Stricken für Frühchen“ http://www.stricknetz.net/fruehchenaktion/?PHPSESSID=6d6c70ea0aa06d97f41a632f4d6e2acd , die dann viele Nachahmer gefunden hat. Noch heute werden Kliniken mit selbstgestrickten winzigen Bekleidungsstücken für Frühgeborene versorgt. Eine Aktion aus der jüngeren Zeit ist das Stricken für totgeborene Kinder oder solche, die unmittelbar nach der Geburt gestorben sind, sogenannte Schmetterlings- oder Sternenkinder http://www.schmetterlingskinder.de/

Gehen wir wieder einige Zeit zurück. Es wurden nicht nur Dinge für die regional ausgeübte Wohltätigkeit gestrickt, sondern auch für Aktionen fern der Heimat. In den beiden Weltkriegen wurde erwartet, dass die Soldaten von den Frauen, Müttern und Töchtern zuhause mit Strickwaren versorgt wurden. Schneehauben, Pulswärmer, Kniewärmer, Handschuhe, Socken und Nierenwärmer wurden an die Front geschickt. Damit genügten die Frauen nicht nur einer gesellschaftlichen Norm, sondern unterstützten mittelbar den Krieg aus eigener Kasse. Teilweise wurden Kinderpullover aufgetrennt, um dem Vater Strümpfe an die Front senden zu können. Weibliche Fürsorge wurde knallhart für den Krieg ausgenutzt.

Aufgrund der Möglichkeiten im Internet können nun alle an internationalen Strickaktionen für einen guten Zweck teilnehmen. Hier spielt sicher eine Rolle, mit welcher Bedürftigen-Zielgruppe man sich identifizieren kann und welche Organisatoren die Werbetrommel am besten rühren. Und es kommt auch darauf an, welche Bedürftigengruppe am medienwirksamsten präsentiert werden kann. Obdachlose und Absolventen einer Chemotherapie haben dabei vermutlich einen geringeren Aufforderungscharakter. Säuglinge und Kinder gehen immer. Der Beschützerinstinkt greift hier besser und die herzustellenden Strickobjekte haben eine überschaubare Größe und heben den Niedlichkeitscharakter noch hervor.

Aber nicht nur Menschen werden karitativ bestrickt. Decken für Hunde und Katzen in Tierheimen oder sogar Kleidung für umweltgeschädigte Pinguine und Hühner werden von Strickerinnen genadelt, die sich dieser Geschöpfe besonders annehmen möchten.

Wenn man eine karitative Strick-Aktion als Ganzes betrachtet, stellt sich die Frage, wie die Aufwand-Nutzen-Relation für internationale Projekte sich gestaltet. Von einer heimischen Frauengruppe habe ich erfahren, dass der Versand von Kleidern und gestrickten Decken nach Tanzania beispielsweise längst eingestellt wurde, weil Versandkosten und Zölle enorm hoch seien und das Budget unzumutbar belasten würden. Für dieses Geld könne man vor Ort mehr Nutzen stiften als mit der Zusendung von Gestricktem. Man orientiere sich daher mittlerweile bei der Hilfeleistung an die osteuropäischen Staaten, wie Rümänien, Weißrussland und Polen.

Daher erscheint es mir sinnvoll, die gestrickten Sachen direkt an eine Organisation zu geben, die bei den Bedürftigen vor Ort tätig ist und ohnehin Hilfsgüter an die Betroffenen ausliefert. Ich habe mich aus diesem Grund entschlossen, bei der Aktion von Save The Children mitzumachen http://www.savethechildren.de/was-wir-tun/ueberleben-und-gesundheit/muetzenkampagne/waerme-schenken-zur-wm/ . In ähnlicher Weise wurde das Deckenstricken hier schon aufrgenommen http://www.knit-a-square.com/

Das Stricken meiner beiden Decken hat mich auf einige der oben angerissene Gedanken gebracht.
Ich habe dabei auch einmal ausgerechnet, auf welche Summe man kommt, wenn man Strickgarn, Versandkosten und Verschickung an die Zielgruppe berücksichtigt und bin auf Kosten zwischen 30 und 50 € für eine Decke gekommen. Da stellt sich schon die Frage, ob man für dieses Geld nicht ein ganzes Kleiderpaket einschließlich Decken für das bedürftige Kind zusammenstellen kann. Wenn man zu einer Spende in dieser Höhe aufgefordert würde, säße einem das Geld vermutlich nicht so locker.
Es muss also noch etwas anderes dahinter stecken, wenn man an einer solchen Aktion teilnimmt.
Das machen sich auch die Organisatoren der Aktion zunutze: Parallel zur Fußballweltmeisterschaft bekommt man natürlich besonders viel Aufmerksamkeit. Und da nicht jeder auf dem Fußballplatz die Nation vertreten kann, wird ein eigener Mitmacheffekt kreiert: das Antreten gegen Australien im Deckenstricken. Der Wettbewerb spornt natürlich an. Wenn dadurch den Kindern mehr Decken zugute kommen, ist das ein sinnvoller Effekt.

Ich habe mich allerdings nicht den Vorgaben unterworfen, Quadrätchen zu stricken. Ich bewundere Strickerinnen, die Patche stricken und zusammennähen, aber ich bin eher der Typ fürs großflächige.
Auch die Farbvorschläge in schwarz, rot, gold, um sich von den australischen Decken abzugrenzen, habe ich ignoriert. Eine schwarze Babydecke erscheint mir doch etwas zu hart.
Beide Decken sind mit verkürzten Reihen gearbeitet. Die rote besteht aus vier Patchen, 40 cm x 40 cm groß.
Die zweite Decke ist aus der Mitte herausgestrickt. Das blaue Garn ist ein Baumwoll-Flammée-Garn, das ich von Frau M aus J. bekam. Es waren ursprünglich 200g. Das eine 100 g-Knäuel verschwand auf der Bahnfahrt, wo mir der Wichtel geklaut wurde. Es war für ein anderes Projekt schon angestrickt gewesen. Nun wurde der verwaiste Strang in die Decke eingearbeitet. Hier die dreifarbige Decke auf halbem Weg http://www.bilder-hochladen.net/files/1p0s-j9-jpg.html
Jede Decke wiegt übrigens über 600g, was mich zu der Überlegung gebracht hat, warum in den Vorgaben 8-fädiges BW-Garn empfohlen wird, das mit Nadelstärke 6 verstrickt werden sollte. Die Decken werden schwer, was mich wieder auf die Transportkosten bringt. Aber auch, wie lange die Teile zum Trocknen brauchen, wenn sie einmal gewaschen werden. Meine Decken wurden mit Nadelstärke 5 verstrickt und ich konnte das BW-Garn meinem Vorrat entnehmen. Hier die rote Decke mit den weißen Linien
http://www.bilder-hochladen.net/files/1p0s-ja-jpg.html
Weshalb ich mich auch gegen die kleinen Patche entschieden habe ist, dass die Rückseiten nicht so toll aussehen. Eine Abfütterung wäre angebracht, wie es auch einige Strickerinnen von Patchdecken getan haben. Ich hatte mir das auch überlegt, bin aber aufgrund des zusätzlichen Gewchts davon abgekommen. Bei mir sehen die Rückseiten auch ganz passabel aus.
Die Decken sind Eigenkreationen und es gibt dafür weder Vorlagen noch Anleitungen. Ich habe sie aus dem Kopf direkt auf den Nadeln umgesetzt.
Beide Decken wurden noch einer Kochwäsche unterzogen. Dabei blutete die rote Decke aus und das strahlende Weiß wich einem zarten Rosé. Hier aber die Originalfarbe
http://www.bilder-hochladen.net/files/1p0s-jb-jpg.html
Da unser heimisches Stricklädchen sich an der Aktion nicht beteiligt, werde ich die Decken wohl bei Wolle-Rödel in Freiburg abgeben.

2010-05-28
Damit man innere Stärke für den Nachfolger dieses Beitrag aufbauen kann, stellen wir hier zwei Easy-to-go-Projekte vor. Beide aus Jawoll Magic von Lang, eine Qualität, die unser Lädchen im Ort jedoch nur in wenigen Farben vorrätig hatte: Blau, Braun, Rost, Grün und dieses Magenta-Pink-Lila mit etwas Grün.
Es wird als Sockenwolle und in Superwash-Qualität gehandelt. Aber ebensowenig wie die Regia Hand Dye Effect oder die Lana Grossa Meilenweit, die in ähnlicher Struktur und ebenfalls mit Farbverläufen angeboten wird, würde ich diese niemals für Socken verwenden. Es sei denn, ich trüge diese nur an hohen Feiertagen in Hauspantoffeln mit weichem Futter, damit ja nichts abribbelt und dünn wird. Und ich traue auch der Superwash-Ausrüstung nicht mit dieser losen Verzwirnung. Wenn ich einmal einen Rest habe, werde ich einen Hardcore-Waschmaschinen-Test machen.
Allerdings habe ich bei Wolle-Rödel die Regia Hand Dye Effect zu einem Socken verstrickt gesehen. Die Maschenweite – er war eindeutig auf der Maschine gefertigt – war sehr klein, vermutlich um jedem Filzeffekt vorzubeugen.
Sei es drum: die Garne haben schöne Farbverläufe und sind für Mitnahmeprojekte wie kleine Schals, Tücher, vielleicht auch Handschuhe oder Mützen hervorragend geeignet.
Der Schal in kürbis-rost Farben ist nach der Anleitung „Citron“ gefertigt http://www.knitty.com/ISSUEwinter09/PATTcitron.php . Ich habe mich beim Stricken fast ein wenig gelangweilt. Statt der Rüschenkante habe ich einfach noch ein Segment angefügt, um eine maximale Größe zu erzeugen und das Knäuel aufzubrauchen.
http://www.bilder-hochladen.net/files/1p0s-j7-jpg.html
Das einzig Spannende daran war: wie wird das Tuch nach dem kommenden Farbwechsel aussehen? und: wird das Garn für die Abkettreihe reichen? Das tat es nicht, aber dank umfassender Garnvorräte konnte ich die Abkettkante mit einem sich farblich einfügenden Sockengarn abschließen.
Da mir Rost gar nicht steht, kommt das Tuch in die Geschenkekiste. Fühlt sich übrigens am Hals sehr angenehm an und ist eine schöne Größe: weder zu klein, so dass man nicht wickeln kann, noch zu groß, dass man die Massen nicht unter den Anorak oder die Winterjacke verstaut bekommt.
http://www.bilder-hochladen.net/files/1p0s-j6-jpg.html

Der hauptsächlich magentafarbene Schal ist vermutlich einer der meistgestricktesten Modelle der beiden letzten Saisons. Kein Wunder, außer der simplen Machart bietet er auch jede Menge Gelegenheit, seine Sockenwollknäuel oder selbstgefärbten Garne zu vernadeln. Der sogenannte Bactus http://www.flickr.com/photos/norwayneedles/2963651011/in/set-72057594095697804/,0 bietet sich für vielerlei Varianten geradezu an.
Ich habe das 100g-Knäuel wiegetechnisch halbiert und wechselweise mit dem einen und dem anderen Knäuel in verkürzten Reihen gearbeitet. So entstand das Muster als Zufallsprodukt. Sollte ich das wieder machen, würde ich die Farbkombinationen vorher besser abgleichen, ich meine, das könnte harmonischer aussehen.
http://www.bilder-hochladen.net/files/1p0s-j5-jpg.html
Dieser kleine Schal wurde als Geburtstagsgeschenk für die Schwiegertante gefertigt, die diese Farbkombination sehr liebt und den Schal auch gleich umgebunden hat.
Bei diesem Muster hat das Abwiegen allerdings keine präzisen Resultate gebracht. Mit dem Rest hätte ich gut noch 2-3 Segmente einfügen können.
Hier noch eine Detailaufnahme von der Musterbildung
http://www.bilder-hochladen.net/files/1p0s-j3-jpg.html

Und noch etwas Lokalkolorit:
Bei einer meiner Fahrten zur Arbeit konnte ich einigen Feriengästen lauschen, die sich über die Familiennamen im Nachbarort wunderten. Sie berichteten sich gegenseitig, welche merkwürdigen Namen sie schon ausfindig gemacht hatten. Schließlich fasste ein Gast seine Eindrücke in Worte: „Stiefvater, Muckenhirn, Pfefferle, Gutmann, Ortlieb, das kling alles irgendwie so ... so ... abstrakt.“

2010-05-15
Auch eine geübte Strickerin baut mal Murks. Ich habe es geschafft, in der letzten Zeit drei Strickstücke zu verpfuschen. Zwei handgestrickte und ein maschinengestricktes.
Ich zeige euch meine Stümperei in homöpathischen Dosen. Das erste Teil ist leicht begreiflich, daher baue ich noch eine Geschichte mit ein. Nämlich die Story vom Garn.
Vor ca. drei Jahren fragte Tammina http://www.stricktagebuch.de/stb.php?stbid=180&datstart=0 im Stricknetz, wer außer ihr noch die ‚Creative Yarn Packs‘ von Rowan hätte. Die gab es in den 90-ern zum Testen von Farben und Qualitäten. Damit man sich etwas darunter vorstellen kann, hier ein Bild http://www.bilder-hochladen.net/files/1p0s-j2-jpg.html. Nun muss ich einen Einschub machen. Ihr wundert euch, dass ich ein drei Jahre altes Bild noch zücken kann? Von einem Ereignis, das längst vergangen ist? Tja, ich war auch erstaunt, dass sich die ganzen Computersicherungen, die ich regelmäßig mache, auch einmal auszahlen. Jedenfalls hatte ich die CD mit dem Bild in Nullkommanix aufgetrieben. * Eigenlob aus * .
Tammina und ich waren uns einig, dass die Qualität des Garnes hervorragend ist – man bekommt es heute noch – aber die Farbmischungen ... Kurz gesagt, Tammina und ich tauschten farblich passend aus, denn meine Auswahl war auch nicht prickelnd http://www.bilder-hochladen.net/files/1p0s-j1-jpg.html. Ich staune heute noch: ohne das Internet hätte eine solche Aktion nie stattfinden können.

Immer wieder machte ich Maschenproben, um das Garn einmal verwerten zu können. Aber ein richtig tolles Projekt fiel mir dazu nicht ein. Bis vor kurzem. Als Strickgeschenk wollte ich einen Spielzeugbehälter anfertigen. Oder einen Filzkorb für das aktuelle Strickzeug. Oder einen Korb für Zielwerfen mit gestrickten Bällen, also ein ungefährliches Kinderspielzeug. Dazu schienen mir die Farben sehr gut geeignet. Passend dazu suchte ich noch andere Garne aus meinem Wollvorrat, die auch vor sich hin singelnd auf Verwertung warteten.

Mit Nadelstärke 6 und knapp 700g Garn strickte ich den Balg des Behälters, der später in der Waschmaschine gefilzt werden sollte. Der kam auf beachtliche Größe. Hier habe ich ihn meiner schönen Helena über den nicht vorhandenen Kopf gestülpt http://www.bilder-hochladen.net/files/1p0s-is-jpg.html .

Sehr anschaulich und auch als Warnung: wenn man auf eine bestimmte Größe hinaus will, sollte man mit dem verwendeten Garn immer eine Filzprobe machen. Das Ganze ist auf ein Drittel zusammengeschrumpft. Das Ganze? Leider nicht. Hier sieht das Ergebnis noch ganz gut aus http://www.bilder-hochladen.net/files/1p0s-it-jpg.html . Auch die Standfestigkeit war ausgesprochen zufriedenstellend http://www.bilder-hochladen.net/files/1p0s-iy-jpg.html . Das Ausmaß der Katastrophe zeigt sich bei näherer Inaugenscheinnahme des Behälterbodens: Da hatten sich zwei Garne eingeschlichen, die zwar mit ‚100% Wolle‘ ausgezeichnet, aber vermutlich superwash-ausgerüstet waren. http://www.bilder-hochladen.net/files/1p0s-iv-jpg.html . Wie ich es auch drehte und wendete, das Teil war als Geschenk nicht mehr nutzbar.
Meine Überlegung war, die ungefilzten Teile heraus zu schneiden und passende Stücke nachzufilzen, einzunähen und ggf. zum Befestigen noch Nadel zu filzen. Aber ich hätte gewusst, dass es Flickwerk wäre und das ging mir gegen die Strickerinnenehre.
Aber es gibt jemanden, der sich über ein ausgesprochen luxuriöses Zubehör für sein Dasein erfreut: http://www.bilder-hochladen.net/files/1p0s-j0-jpg.html

Um zarte Gemüter nicht weiter zu belasten, werden die weiteren Katastrophen in einem der kommenden Beiträge geschildert.

2010-03-22
Ist es euch auch schon so gegangen, dass ihr ein attraktives Muster hattet und dann kommt genau das richtige Garn dazu?
So war es mit der Panel Jacket von Carol Lapin. Kurz vor Weihnachten stieß ich auf diese Anleitung http://www.unicornbooks.com/pattern_RTpaneljacket-SQL3.asp
und kurz nach Weihnachten überraschte mich Ingrid mit einem überwältigendem Wollpaket. Ihr fiele nichts ein, was sie daraus stricken könne. Was für ein Glück für mich! Mir war völlig klar, was daraus werden sollte.
Das Garn stammt von Wollpoldi und ist handgesponnen. www.Wollpoldi.de . Eine Kaskade verschiedener Farbtöne mit Weinrot als Basis, ohne aufdringliche Buntheit. Die Bilder sind etwas aufgehellt, in Wirlichkeit ist die Jacke wesentlich dunkler. 780g des Garns habe ich vernadelt.
Ich habe das Garn doppelt mit Nadelstärke 5 verstrickt und kam nicht auf die angegebene Maschenprobe. Und als ich mit der Neuberechnung der Maße fertig war, habe ich auch gleich noch die Machart der Jacke in meinem Sinne optimiert.
Warum soll ich das Rückenpanel abketten, wenn ich die Maschen später zum Anstricken des Kragens benötige? Also diese Halsmaschen stillgelegt.
Wieso diese weit überschnittenen Schultern, wenn ich weiß, dass dies den Schulterbereich so in die Länge ziehen wird, dass die Ärmel mir dann an den Kniekehlen hängen werden und die Vorderteile hochgezogen werden? Also die Ärmel in Kugelform gefertigt.
Warum die Ärmel von unten und am Stück stricken? Ich habe von oben mit verlängernden Maschen die Kugel gestrickt und die Ärmel geteilt. So konnte ich an der zusammengesteckten Jacke die Ärmellänge genau abstimmen. Außerdem finde ich es ein hübsches Designelement, wenn die Zusammenstrick-Linie vom Hals zum Handgelenk führt.
Warum hinterher die Zier-Kordel an den Kragenrand anstricken? Man kann auch sofort so stricken, dass der Kragen von der Vorder- und der Rückseite gleichermaßen gut aussieht.
Ach so, ihr wollt wissen, wie man das macht? Rechts stricken, bis zu den letzten drei Maschen, zwei M. wie zum Linksstricken mit Faden hinten abheben, letzte Masche rechts. Wenden. Erste Masche wie zum Linksstricken abheben, Faden vorn. die nächsten beiden M links stricken, dann rechts weiter bis zu den letzten drei Maschen...
Schließlich die letzte Modifikation, um die Jacke figurfreundlich zu machen. Die Seitenpanels wurden so abgeschrägt, dass sie wie Brustabnäher wirken und der Jacke ein wenig Form verleihen.
Insgesamt habe ich die Jacke verlängert und es hat sich wieder einmal bewährt, eine Maschenprobe zu stricken und zu waschen. Die Bilder werden euch zeigen, warum.

Diese Jacke stach gleich mehreren ins Auge wurde in verschiedenen Varianten im www.strickforum.de gezeigt. Mit Genehmigung der Strickerinnen könnt ihr sehen, wie das Modell in anderen Garnen wirkt.
Das Modell von Ulrike in edlem Anthrazit, gestrickt aus "California" von Gedifra, einem Bändchengarn aus Baumwolle mit Poly. Sie hat den Kragen in einer anderen Farbpartie gestrickt, weil ihr die Wolle ausgegangen war. Der Nachschub kam dann von einer freundlichen Strickerin aus der Schweiz. http://i48.tinypic.com/kpb0l.jpg

Maren hat eine eigene Garnmischung zusammen gestellt, mit Seide dabei. Auch sie hat die Ärmel in zwei Teilen gestrickt und gekugelt. Ebenso wie ich hat sie die Kragenkante gleich mitgestrickt. Geklaut habe ich von ihr die Idee mit der Brustschrägung. Allerdings habe ich diese technisch etwas anders gemacht. Marens Jacke hat sich nach dem Waschen auch ganz von selbst verlängert. Maren betont, dass sie mit der englischen Anleitung und einer Übersetzungsliste gut zurecht gekommen sei, obwohl sie wenig Englisch späche. http://www.bilder-hochladen.net/files/9fp9-2h-jpg.html
Auch Tine hat die Jacke fasziniert. Sie hat ebenfalls mit einer schwarzen Garnmischung gestrickt, schwarzes 6-fädiges BW-Garn von den Wollsisters (ebay). Die Jacke sieht dann an der Person sicher extravagant aus. Hier das Modell noch ungewaschen. http://img163.imageshack.us/i/jackevy.jpg/ Die Verschlüsse von Tine und Ulrike sind einfach wunderschön. Und man sieht, dass die Jacke in verschiedenen Garnen immer gut aussieht.

Die Bilder von der Fertigstellung der anderen haben mich angespornt meine Jacke zügig zu beenden. Ich hatte sie kaum zwei Stunden an, da wurde sie schon überschwänglich gelobt. Am nächsten Tag brach dann meine Zahnärztin in helles Entzücken aus und wollte das Muster, damit ihre Schwiegermutter ihr die Jacke stricken könne. Sie meinte erst, das sei ein teures Designerstück und wäre im Traum nicht auf die Idee gekommen, die Jacke sei handgestrickt.
Obwohl ich zu den Frauen von Format gehöre (von großem Format), sieht die Jacke einfach klasse aus. Neulich wurde doch die Wollschaf-Frage nach kleidsamen Strickstücken für beleibtere Personen gestellt. Das ist so eins. Allerdings soll man sie dann etwas länger machen.

Weil eine Fotoshow mehr sagt, als 1000 Worte, habe ich ein Video von der Jacke auf Youtube gestellt.
Ich bin mit der Bildqualität nicht so zufrieden. Das kommt daher, dass Youtube empfiehlt, nur Videos mit 2 MB hochzuladen, eine Fotoshow aber mindestens 5 MB hat, wenn man nicht schon vorher die Bildqualität reduziert.
Youtube rendert das also in passende Größe und das bringt Qualitätsverluste.
Die Begleitmusik hat übrigens mein Sohn komponiert und mit ein paar Freunden aufgenommen. Nicht in einem Tonstudio, sondern in einer Studentenbude mit haushaltsüblichem Aufnahmegerät für eine Hausarbeit in seinem Studienfach.
http://www.youtube.com/watch?v=T0Da5jd-ME8

2010-03-06
Wahrscheinlich kennen die wenigsten Stricktagebuchleser diese Decke, die ich vor einigen Jahren auf der Maschine gestrickt habe.
Diese 46-jährige Maschine hatte ich auf einem Flohmarkt für 20 € erstanden und freute mich, weil sie auch mittelstarkes Garn verarbeitet. Es gibt übrigens keine einzige genähte Naht an der Decke, alle Verbindungen wurden mit der Maschine gemacht.
http://www.bilder-hochladen.net/files/1p0s-in-jpg.html
Diese Schrägstriche sind witterungsbedingt. Ein heftiger Schneesturm kam exakt dann auf, als ich die Kamera gezückt hatte.
Vorgegangen bin ich so:
Erst das Mittelteil mit den verkürzten Reihen gearbeitet, also das Quadrat mit der Diagonalen, dann außenherum die Balken, wie man es von der Blockhaus-Methode kennt oder sog. Log Cabin Technik.
Als ich genügend Quadrate beisammen hatte, wurden erst zwei zusammengestrickt, dann 2 x 2 Quadrate zu vieren. Die Vierer-Quadrate fügten sich dann zur Decke.
An den Ecken habe ich die Fäden vernäht und die kleinen Löchlein geschlossen, die an den zusammenstoßenden Ecken blieben. Alle anderen Fäden konnten eingewebt werden, beim Stricken.
Die Umrandung habe ich glatt-rechts gestrickt und die Ecken so geformt, wie man eine Socken-Bumerang-Ferse strickt, der Rand liegt also doppelt.
Ich habe für die Decke zwei volle Kunststoff-Kisten mit rot-getönten Wollresten verarbeitet. Die Rückseite wurde mit einem Rest Bourette-Seide gefüttert und an den Nähten der Quadrate habe ich durchgesteppt, damit Rückseite und Strickseite nicht verrutschen. Alles mit einer Aldi-Nähmaschine. Mit meinem jetzigen Pfäffchen wäre das vermutlich einfacher gegangen, denn die transportiert oben und unten. Aber man sieht: alles mögliche ist mit einfachen Mitteln machbar. Weil jeder von uns - einschließlich der Katze – die Decke inniglich liebt und sie im Dauereinsatz ist, wird sie auch öfter gewaschen: in der Maschine, Wolle, 40 Grad.
http://www.bilder-hochladen.net/files/1p0s-il-jpg-nb.html

Davon wollte ich aber gar nicht berichten: sondern von den Wollresten der Decke.
Ich hatte wieder einmal Lust, ein paar Fließfelder zu stricken und es traf sich passend, dass es dafür ein Opfer gab: einen Neuankömmling auf Erden. Bei diesem wusste ich zu Beginn des Strickens noch nicht, für welches Geschlecht er sich entschieden hatte. In homöpathischen Dosen ist nun also auch Rosa dabei, aber ich hoffe, es wird verschmerzt. Die Mutter hat meines Wissens Färbekenntnisse und kann im Falle akuter Sehnervkrämpfe das Wollwerk umfärben.
http://www.bilder-hochladen.net/files/1p0s-ii-jpg.html
230 Grämmchen habe ich verstrickt und es wäre noch Garn für einen weiteren Strampelsack übrig.
Über Pucksäcke im Allgemeinen und Strampelsäcke im Besonderen hatte ich mich schon an anderer Stelle ausgelassen. Ich fand sie seinerzeit besonders praktisch, weil man nicht immerzu auf eine Decke achten musste, die irgendwie wurstelte oder entglitt. Insbesondere beim nächtlichen Wickeln im Halbdämmer war ich froh, keine kleinen Füßchen in irgendwelche Strampelhöschen frickeln zu müssen. Strampelsack über Windel und Wollschlüpfer und das Kind hatte es mollig warm. Man zieht den Strampelsack bis unter die Achseln. Bei diesem habe ich noch ein Gummiband zur Fixierung des Rippengestricks eingearbeitet, falls das Kind ein besonders lebhaftes sein wird. Ich habe das Gummiband mit Tinte für die Nachfüllung von Edding-Markierern gefärbt. Aufgrund des hohen Kunstfaseranteils ist das Tiefrot nach dem Ausspülen zu Rosa mutiert.
Auch beim Autofahren war der Sack damals sehr praktisch. Maxicosys oder wie die Henkelkörbe heutzutage heißen, gab es seinerzeit noch keine. An passender Stelle hatte ich damals einen Schlitz in den Strampelsack hineingemacht, damit der Gurt vom Kindersitz hindurchpasste. Diese Maßnahme muss noch mit der Kindsmutter abgesprochen werden, wenn sie den Sack im Fahrzeug verwenden will.

Es kommen zum Stricken mit verkürzten Reihen hin und wieder Fragen, wie das geht, dass am Ende wieder alles schön gerade wird, obwohl man doch krumme Formen strickt. Es hat mit den Eigenheiten der Geometrie zu tun: Zwei inverse schiefe Ebenen heben sich wieder auf. Ja, ich weiß, das hilft jetzt weiter. Nein. Es gibt bestimmte Vorgehensweisen bei der Markierung des Krümmungsverlaufs. Wenn man diese Markierungen ganz stumpfsinnig abarbeitet, gibt es keine Beulen. Was im Laufe des Strickens so aussieht, als würde man nie mehr ein gerades Ende erreichen, löst sich immer in Wohlgefallen auf. Hier sieht man auf der „Bodenseite“ des Sacks, wie die Krümmungen genau passend abgeschlossen werden und sich im weinroten Feld in gerader Linie treffen.
http://www.bilder-hochladen.net/files/1p0s-ij-jpg.html
Man muss allerdings rechtzeitig entscheiden, den Abschluss einzuleiten. Da ich keine Zipfel an den Seiten wollte, habe ich die Unterkante leicht abgerundet. Auch diese Formgebung kann man in die Musterung gut einbeziehen.
http://www.bilder-hochladen.net/files/1p0s-ik-jpg.html
Üblicherweise strickt man den Strampelsack in der Komplettgröße des Kindes, damit noch Wachstumsreserven im unteren Bereich sind. So habe ich das auch gemacht, jedoch hat der Sack das mit dem Wachstum falsch verstanden. Er selbst wuchs nach der Wollwäsche in der Maschine einfach um 10cm, so dass er nun eine ganze Weile nutzbar wäre. Falls der Sack kein „Daumen hoch“ der Eltern bekommt, kann er aber immerhin noch als Schlafdecke im Katzenkorb dienen.
So stelle ich mir ein passendes Geschenk vor: mit eingearbeitetem Plan B.

2010-02-19
Letztens hing eine Tüte an der Wohnungstür. Mit einer Stecknadel hatte meine Mutter einen Zettel drangeheftet: „Bund geht nicht mehr über die Hüften“.
Ich entnahm der Tüte einen Pullover, von dem ich noch genau wusste, wann ich ihn begonnen hatte: Fasnacht 1998.
Es war ein Winter mit ebensoviel Schnee, wie dieses Jahr. Ich erinnere mich deshalb so genau, weil meine Freundin und Kollegin und ich den freien Rosenmontag zum Kaffeetrinken und Plauschen, respektive von meiner Seite zum Stricken nutzen wollten. Meine Freundin las mir während des Strickens aus einem Gedichtband vor, den ein Landwirt aus ihrem kleinen Wohnort verfasst hatte. Wir bogen uns teilweise vor Lachen, denn die laienhaften Gedichte boten allen Anlass dazu und die Freundin schaffte es durch ihre Betonung, alles Komische aus ihnen herauszuholen. Ich erinnere mich noch genau an den Vers: „Gutedel ist die Kompression von gut und edel“, der bei uns bis heute zum Standardsatz bei bestimmten Gelegenheiten gehört. Dazu muss man wissen, dass Gutedel eine Weinrebe ist, die nur bei uns angebaut werden darf und der Wein aus dieser Traube ist nicht zu verachten.
Die Freundin starb noch im gleichen Jahr an ihrer schweren Krankheit, der Pullover ist nun schon 12 Jahre alt.
Gestrickt wurde er aus dem Baumwollgarn Mariposa, das es seinerzeit sehr günstig bei Aldi gab. Und die Qualität des Garnes ist gut, denn meine Mutter hat den Pullover gern getragen und viel gewaschen. Auf dem Flohmarkt erstand ich seinerzeit zahlreiche Röllchen mit Viscosegarn in Grün- und Blautönen, die ich mitlaufen ließ. Von den Ärmeln zieht sich ein breiter Zopf, der in eine Passe übergeht und sich dann am Halsausschnitt teilt.
http://komghlsg.multipic.de/aermel.jpg
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Ich erinnere mich, dass ich meiner Mutter den Pullover zu Ostern überreichte.
Nun war also der Bund zu eng geworden. Diesen hatte ich mit verteilten Zöpfen versehen, damit der nicht labberte. Das rächte sich nun.

Ich drehte den Pullover also zunächst auf links und fädelte zwei Reihen über dem Bund die Maschen auf eine dünne Nadel auf
http://qcirig8q.multipic.de/maschenaufnehmen9klein.jpg
Dann wurde zur Schere gegriffen.
http://qcirig8q.multipic.de/schere12klein.jpg
Es war ein böses Gefrickel, bis ich den Bund vom Rest getrennt hatte.
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Auf den Nadeln waren alle Maschen schön aufgenommen, denn ich hatte schlauerweise alles in Runden gestrickt.
http://qcirig8q.multipic.de/sauberemaschen11klein.jpg
Der Bund musste in die Bestandteile zerlegt werden, denn durch das viele Tragen, waren die Viscosefäden teilweise zerschlissen.
http://qcirig8q.multipic.de/trennung.jpg
Aus dem Hebemaschenmuster machte ich 2rechts-2links und wechselte dann zu 1rechts-1links, um italienisch abnähen zu können. Aus meinen Beständen hatte ich noch blaues Viscosegarn, das genau passte.
Das Endergebnis sieht ganz passabel aus
http://qcirig8q.multipic.de/finish5klein.jpg
Und nun ist der Pullover auch wieder hüftkompatibel.
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http://komghlsg.multipic.de/halsvorne.jpg

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