Willkommen im Stricktagebuch von Michaela
... und immer ein paar Maschen auf den Nadeln
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2013-03-28
Hat schon einmal jemand aus Mitleid Wolle gekauft? Nein? Dabei ist das so ein hervorragender Vorwand. Aber er kann nicht oft heran gezogen werden.
An einem Schulbasar im Jahr 2000 begutachtete ich die Angebote und sah zu meinem Erstaunen auch handgesponnene Wolle. Die Anbieterin saß da und ließ ihr Rädchen schnurren. Wir kamen ins Gespräch und sie beklagte sich, dass ja kein Mensch mehr Sinn für Handgesponnenes habe, sie würde jedenfalls kaum etwas verkaufen.
Ich sah mir die Produkte näher an. Sie hatte Berge davon ausgebreitet. Allerdings alles für ca. Nadelstärke 5-7 und alles sehr grob versponnen. „Regenwurmstruktur“ nennen das wohl die Spinnfachleute, die ich oft beobachten konnte. Es gab nur wenig naturfarbenes Garn, das einmal verzwirnt wurde, aber letztlich sah fast alles so aus, wie seitlich abgebildet. Das war übrigens der Rest von 220g Garn. Aus Mitleid kaufte ich zwei Stränge für Insgesamt 20DM, nicht wissend, was daraus einmal werden sollte. Filzbar war es auch nicht, viel zu fest verdrüllt, das sah ich auf Anhieb.
Das Garn lagerte also in den Vorräten, bis ich letztens auf dieser Seite die Abbildung eines Mandalas sah http://www.tapestrycrochet.com/blog/?p=634
http://www.tapestrycrochet.com/blog/wp-content/uploads/esther03.jpg

Das Bild vergrößerte ich und häkelte einfach, was ich sah. Damit habe ich eine neue Technik ausprobiert und gleichzeitig das Garn verbraucht. Als Kontrastfarbe nahm ich ein Garn von Wolle-Rödel, reine Schurwolle. Da es etwas dicker ist, blitzt es unter dem unregelmäßig gesponnenen „Mitleidsgarn“ durch.
Die Technik nennt sich „Tapestry Crochet“. Wer weiß, wie man das auf deutsch nennt, kann mich gern informieren. Der Angetraute beobachtete mich beim Häkeln ohne nähere Information. Er sah sofort, dass es eine Katzendecke werden würde und nannte Sie ein „Katzenmandala“. Die Decke hat ca. 55cm Durchmesser und ist wirklich schön dick. Ich kann mir vorstellen, dass man mit ähnlich dickem Garn schöne warme Stuhlkissen fabrizieren kann.
Ich werde aus der Technik vermutlich einen Einkaufskorb machen. Nachdem am letzten Bolsa-Korb nach 12 Jahren Gebrauch langsam der Boden durchbricht, wird es Zeit für Ersatz.

Größere Bilder bei Ravelry
http://www.ravelry.com/projects/LanArta/mandala-cat-blanket

2013-03-10
„Bei deinen Bildern kommen die Farben immer so gut rüber. Wie machst du das?“ werde ich manchmal gelobt. Oder: „wie schaffst du es, die kleinen Bilder so scharf zu bekommen?“
Dazu muss man erläutern, dass die Bilder rechts im Beitrag maximal 40KB groß sein dürfen.
Oft lese ich in Blogs oder bei Ravelry: „Rot kann man nicht fotografieren“ oder „die Wollmeisen lassen sich einfach nicht farbgetreu ablichten“, sowie „bei dem schlechten Wetter macht meine Kamera keine guten Bilder“.

Das dies nicht gelingt, liegt weder an der Farbe, noch am Garn, nur geringfügig am Wetter und schon gar nicht an vermeintlich billigen oder unfähigen Digitalkamera. Mit jedem Handy und Smartphone lassen sich farbgetreue Bilder machen. Woran liegt es also, dass man immer wieder diese unsinnigen Aussagen lesen muss?
An zwei Gründen. In erster Linie ist es das Licht, das die Farben unterschiedlich erscheinen lässt. Physikalische Ausführungen über die Newton’sche Farbenlehre möchte ich der Leserschaft ersparen. Jedoch ein kleiner Hinweis auf die Farbtemperatur muss erlaubt sein. Die Farbtemperatur kommt vom unterschiedlichen Licht, das jeweils auf die fotografierten Objekte trifft. Das menschliche Auge kann sich auf die verschiedenen Lichtverhältnisse schnell einstellen, aber die Kamera benötigt dazu eine Steuerung. Sonnenlicht hat eine andere Farbtemperatur als Glühlampen, Neonröhren oder LEDs. Die Farbtemperatur hat nichts mit der herkömmlichen Vorstellung von Temperatur zu tun, es ist eine Maßeinheit, die in Kelvin gemessen wird. Einige haben sicher das „kalte“ Licht der Neonröhren vor Augen oder das „warme“ Licht einer Glühbirne.

Der zweite Grund für farbverfälschte Bilder ist der Mensch. Er ist nämlich schlicht zu bequem, die Bedienungsanleitung seiner Kamera zu lesen und zu befolgen. Jede, auch die einfachste, hat einen sogenannten Weißabgleich, die Abkürzung WB zeigt das Knöpfchen zur Einstellung. Zu lernen, wie man bei der eigenen Kamera einen Weißabgleich macht, dauert wenige Minuten, und man kann danach die Sätze „Meine Kamera kann kein Rot fotografieren“ oder „das Blau sieht in echt viel besser aus“ aus seinem Vokabular streichen. Sogar schwarze Objekte sehen passabel aus, wenn man vor dem Auslösen der Kamera den Weißabgleich macht.
Zwei Dinge lassen also meine Bilder manierlich aussehen: das gute Licht und der Weißabgleich. Hier kann man sehen und nachlesen, was es mit dem Weißabgleich auf sich hat http://achtung-poster.de/blog/weisabgleich/
Und wer lernen möchte, wie sein abgelichtetes Rot auch wie „in echt“ aussieht, guckt in die Bedienungsanleitung seiner Kamera. Wer die verschusselt hat: Google hilft weiter.
Hier sieht man den Unterschied genau: rechts die Originalfarben, links wurde wenigstens der automatische Weißabgleich benutzt und in der Mitte wurde eine supertolle Kamera dilettantisch benutzt: draufhalten und abdrücken im Hausflur mit Tageslicht. Da kann man sagen: in Wirklichkeit sieht das ganz anders aus
http://www.bilder-hochladen.net/files/1p0s-w1-3a15-jpg.html

Nun zum Projekt. Wenn wir im September die Badische Revolution 1848 an unserem Theaterwochenende spielen, kann es ganz schön kalt sein, besonders nachts. Die Biedermeier-Kleidung war denkbar unbequem an den Ärmeln. Sogenannte „Schinkenärmel“ waren so voluminös, dass man keine Mäntel tragen konnte, sondern Tücher, Stolen und Paletots umwand. Da es in unserem Kostümfundus nur Häkeltücher gibt, habe ich mir etwas Passendes angefertigt.
Da die Revolution den Übergang zwischen Biedermeier und Realismus markiert, heißt das Tuch genau so: „Zwischen Biedermeier und Realismus“.
Die Anleitung heißt im Original ‚Eliza Shawl‘ und ist – nur auf englisch – von Robyn Gallimore. Hierfür habe ich einen Gutschein von Frau M aus J bei http://www.patternfish.com/ eingelöst, danke noch einmal, das war der Auslöser, das Tuch zu stricken.

Als Garn habe ich das Farbverlaufsgarn Aade long 8/2 benutzt (500g), das ähnlich wie Kauni ist, jedoch schon im Vorfeld weicher. Beim Waschen plüscht es schön auf und wird nochmals geschmeidiger. Ich habe mit Nadelstärke 4mm gestrickt und natürlich einige Veränderungen vorgenommen.
Einerseits habe ich zwei Motivreihen mehr gearbeitet, das Originaltuch ist relativ kurz und hat auch eine eigentümliche Form, eher drachenartig als dreieckig. Durch Spannen im feuchten Zustand ließ sich das gut ausgleichen.
Die Oberkante habe ich mit einem Rollrand versehen, bei dem die linke Seite außen ist, im Original ist es die rechte. Die Bilder zeigen, dass dies an den Ecken sehr harmonisch wirkt.
Die Kante habe ich einfach so lange gestrickt, bis das rote Garn zuende war, ich habe gerade noch zwei Meter übrig.
Das Tuch wird in tradtioneller Fair-Isle-Technik gearbeitet, also mit Steek. Das übliche Gewinsel, wenn der Schnitt ansteht, ist überflüssig. Von Churchy, einer professionellen Maschinenstrickerin habe ich gelernt, dass man den Steek vor dem Schneiden und nähen bügeln/ dämpfen soll. Das habe ich auch gemacht und das Tuch zum Schneiden auf das Bügelbrett gelegt. So kommt man auch nicht in Gefahr, falsche Fäden durchzutrennen.

Mehr Bilder sind bei Ravelry zu sehen – in den Originalfarben. Sowohl die Rottöne als auch die verschiedenen Blaus ließen sich ohne Murren ablichten. http://www.ravelry.com/projects/LanArta/eliza-shawl

2013-02-26
Das Geburtstagsgeschenk für meine älteste Nichte ist wieder einmal etwas in verkürzten Reihen. Und zwar zum einen verkürzte Reihen für die Formgebung des Schnitts in A-Linie und andererseits verkürzte Reihen für die organischen Formen.
Ein Wort zuvor:
Mittlerweile ist das Stricken von verkürzten Reihen zu höherem Bekanntheitsgrad gelangt. Dazu haben Gabi Kluge, Ruth Kindla und Heidrun Liegmann wesentlich beigetragen.
Jede der drei Designerinnen setzt das Thema auf ihre Weise um. Während Ruth Kindla mit festen Schemata arbeitet, lernt man bei den anderen beiden Designerinnen das freie Stricken. Die Initiatorin Gabi Kluge, bei der ich die Technik gelernt habe, bietet auf www.strickrausch.de Präsenzveranstaltungen und Online-Kurse an, während Heidrun Liegmann bei http://swing-stricken.de/ schriftliche Schritt-für-Schritt-Anleitungen für die geschwungenen Formen in aufeinander aufbauenden Kursunterlagen bereit hält und auch Präsenzkurse erteilt.
Hier möchte ich mit meinen eigenen Worten und Definitionen zwei Arten des Strickens mit verkürzten Reihen unterscheiden. Zum einen das "geführte Stricken“ der organisch wirkenden Felder, zum anderen das „freie Stricken“.
Beim geführten Swing-Stricken sind die Anleitungen so gestaltet, dass die Felder „genau passend“ hin und her schwingen. Das wird vorher von der Designerin berechnet, so dass auch der Anfängerin nichts misslingen kann. Ruth Kindlas Designs beispielsweise basieren auf geführtem Stricken der verkürzten Reihen. Hier wird jedoch keinerlei Technik vermittelt, wie man selbst Designs mit verkürzten Reihen entwerfen kann.
Bei den ersten drei Kursen von Heidrun Liegman wird man über verschiedene Projekte in die Technik eingeführt, um sofortige Erfolgserlebnisse zu haben.
Es gibt mittlerweile viele Projekt-Anleitungen für „geführtes“ Swing-Stricken, aber nur eine für das freie Stricken mit verkürzten Reihen, die man erst dann nachvollziehen kann, wenn man die drei genannten Workshops durchgearbeitet hat. Hierbei gelten einige Regeln, die für sich genommen nur den fortgeschrittenen Strickerinnen in der Technik etwas sagen.
Wenn ich schreibe 7-5-3-3-2-2-2-2-2-3-3-5-7 und Feldbreite = 32 und die Anzahl der anzuschlagenden Maschen nenne, kann jeder, der einen Präsenzkurs gemacht oder die drei Kursbausteine abgearbeitet hat, verstehen, was ich meine und meterweise nach diesen Angaben stricken.
Beim freien Stricken ist nichts vorhersehbar. Man kann nicht im Vorfeld sagen, wie beispielsweise Reihe 87 gestrickt werden müsste, weil nicht berechenbar ist, wie es in Reihe 87 aussieht. Ich weiß aber, was zu tun ist, wenn ich in Reihe 87 bin. Dafür gibt es Regeln, anhand derer ich mich voran arbeite. Sicherheitsnadeln in verschiedenen Farbtönen helfen mir beim Markieren der Verkürzungen. Die „Standorte“ der Sicherheitsnadeln ändern sich von Reihe zu Reihe. Auch unterscheidet sich jedes Farbfeld vom anderen. Das dürfte deutlich machen, warum es keine Anleitungen für Modelle in freiem Stricken von verkürzten Reihen geben kann. Man müsste jede Reihe aufschreiben und eine Anleitung auf 60-100 Seiten unterbringen. Das will keiner ohne eine angemessene Bezahlung. Und es wäre dann auch kein freies Stricken mehr. Es ist eine fortgeschrittene Disziplin, die man auch keinem in drei Sätzen beibringen kann, der schon 40 Jahre strickt.
Oft genug bekomme ich Mails mit der Frage, ob ich nicht mal eben kurz erklären könne, wie ich das gemacht hätte, man würde ja schon Jahrzehnte stricken und sei geübt. Ich kann nur auf die oben genannten Ansprechpersonen für Kurse verweisen.

Das Overtop mit Flügelärmeln für meine Nichte wurde in DROPS Delight Garn gestrickt, mit Nadelstärke 3,5.
An den Zählfäden in einem Bild kann man erkennen, dass umfassende Kennzeichnungen notwendig sind, die man nicht mit ein paar Maschenmarkierern geregelt bekommt. Neben den drei Zählfäden, die garantieren, dass trotz der verkürzten Reihen überall die gleiche Reihenzahl gestrickt wird, waren zusätzlich 30-40 Sicherheitsnadeln in drei Farben im Spiel, welche die verkürzten Reihen markiert haben.
So aufwändig sieht das Ganze gar nicht aus und ist auch von der Machart nicht kompliziert, wenn man die Regeln beherrscht und mit Dreisatz und Schnittzeichnungen umgehen kann. Da gibt es keinen Schnittrechner, der einem das kalkuliert. Genau das ist auch der Reiz des freien Swing-Strickens, Unikate zu entwerfen, die kein Mensch nacharbeiten kann, nicht einmal man selbst. Ein zweites Stück kann nur ähnlich, aber nie gleich werden.
In Ermangelung eines Models muss mal wieder meine schöne Helena herhalten.

Mehr Bilder bei Ravelry


http://www.ravelry.com/projects/LanArta/lilette

2013-02-11
Erinnert sich noch jemand an Sepp Herberger? Es war der Bundestrainer mit einer interessanten Biografie, der die deutsche Elf 1954 zur Fußball-Weltmeisterschaft geführt hatte. Ein Ereignis nicht nur wegen der spannenden Austragung, sondern, weil man im Nachhinein feststellte, dass auch seinerzeit schon heftig gedopt wurde. Frühe Todesfälle überdurchschnittlich vieler Sportler aus dieser Zeit und nachträgliche Bekenntnisse werfen im Nachhinein einen traurigen Blick auf gloriose Ereignisse.
Die Brüder und Cousins in meinem Alter weigerten sich in unserer Jugend das zu tragen, was abfällig die „Sepp-Herberger-Gedächtnissandale“ genannt wurde. Rechts sieht man beispielhaft die damals geschmähte Fußbekleidung, die aber sicher bald wieder fröhliche Urständ feiern wird. Warten wir nur lange genug, dann wird sie bestimmt wieder modern. Die Bilder sind übrigens zwei Auktionen entnommen, die Urheberinnen sind Susanne Schmolke aus Gronau und Tanja Melek aus Fulda.

Noch gar nicht Vintage sind Sepp Herbergers Sprüche, die jeder Fußballfan kennen dürfte:
„Der Ball ist rund“, „Das Spiel dauert 90 Minuten“ oder „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“. Gleichermaßen auf den Punkt gebracht wird das Ziel des Fußballspiels mit der Anweisung: *Das Runde muss in das Eckige*.
So lautet auch der Titel nebenstehenden Bildes

Gestrickt wurde das Illusions-Bild mit der nun schon häufig erwähnten Lacotta, zwei Nadelstärken geringer als auf der Banderole angegeben, um ein dichtes Gewebe zu erzielen. Insgesamt ist es 80cm x 80cm groß, mit umlaufendem Rand. Die 5 Farben ergeben insgesamt 25 Kombinationen, wobei jede Farbe einmal Vordergrund, einmal Hintergrund ist und einmal beides gleichzeitig.
Die Farbstreifen wurden alle gleichzeitig gestrickt, so dass man immer mit 5 Knäueln gleichzeitig hantierte.
Die Kaufanleitung gibt es nur auf Englisch, aber mit einem Diagramm hier bei Woolly Thoughts, die das Design auch entwickelt haben
http://www.illusionknitting.woollythoughts.com/squares.html
Das Bild ist in der Anleitung jedoch ohne Rahmen beschrieben
Wie das Bild auf den Rahmen kommt, habe ich bei Ravelry in einem anderen Projekt gezeigt.
http://www.ravelry.com/projects/LanArta/soccer-ball-illusion-knit

Das Bild hängt nun bei Bruder und Schwägerin im Treppenhaus. Sie freuen sich, dass sie endlich einmal ein großformatiges Bild haben.

Ins gleiche Haus ging das „Schlumperle“, nach der kostenlosen Knubbelchen-Anleitung von Pezi http://www.ravelry.com/patterns/library/knubbelchen
Meine jüngste Nichte bekam das Knotenmännchen zur Vollendung des ersten Lebensjahres und schloss es gleich ins Herz. Gestrickt aus Resten von DROPS-Delight und ca. 5m Sockenwolle verbrauchte das ganze Figürchen nur 35g Garn. Das Gesichtchen habe ich geformt und Augen und Mund nur angedeutet. Ich mag diese platten aufgestickten Grinsemasken nicht. Und das Kind soll auch Gelegenheit haben, den passenden Gesichtsausdruck in das Gesicht hinein zu interpretieren.
Ich habe noch eine weitere Änderung eingearbeitet: am Original gefällt mir nicht, dass der Hals so faltig zusammen gezurrt ist. Das habe ich abgeändert, indem ich vor dem Farbwechsel zum Körper ein paar Maschen abgenommen habe, die in der zweiten Reihe der Körperfarbe wieder hinzu genommen wurden.

Insgesamt ist die Anleitung schön variabel, so dass jeder seine eigene Variante anfertigen kann.

Die beiden Strickprojekte auf Ravelry
http://www.ravelry.com/projects/LanArta/squares-that-look-round
http://www.ravelry.com/projects/LanArta/knubbelchen

2013-01-23
Ich muss nicht nur gestehen, dass diese Decke schon seit vor Weihnachten fertig ist, sondern auch Versäumnisse.

Eines davon betrifft das Strickgeschenk für meinen Sohn. Nachdem ich zwei Tage große Maschenproben mit Zöpfen an der Maschine gemacht habe (Vorderteil und Rückenteil), stellte ich fest, dass nicht nur die beiden Seiten des tiefen Halsausschnittes unterschiedlich waren, sondern auch die Zopfmuster vorn und hinten ganz seltsam und eigentümlich aussahen.

Immerhin konnte ich verschiedene Techniken des Verkreuzens ausprobieren, wobei mir die Tipps von Vera Voigt bestens geholfen haben. http://strick-allerlei-voigt.jimdo.com/
Das Auftrennen verpfuschter Strickteile und neu wickeln benötigt erstaunlich viel Zeit, wie ich feststellen musste, auch am zweiten Projekt, das nicht rechtzeitig zu Heiligabend fertig wurde. Hier hatte mich der Strickrechner gefoppt. Für eine Größe 48/50, eine Herrenweste, wurden die Teile so riesig, dass ein neugeborenes Nilpferd sich darin pudelwohl gefühlt hätte.
Ich hatte mir den Fehler eingebildet, mit anderer Maschenweite gestrickt zu haben als bei der Maschenprobe, aber auch der zweite Versuch machte nicht kluch, sondern ärgerlich: das selbe Phänomen. Kam noch hinzu, dass die Schulter-/Ausschnitteile merkwürdig geformt waren.
Nächstes Mal verlasse ich mich wieder auf den Dreisatz mit dem Taschenrechner.

Der Abschuss dann an Heiligabend. Mutter guckte versonnen auf das Dendrobates-Tuch. Ich vermutete, dass sie überlegte, wie sie mir schonend beibiegen könnte, es sei nicht nach ihrem Geschmack. Doch auf Nachfrage antwortete sie: ‚Ich denke gerade darüber nach, vor wem ich damit angeben könnte‘.
Vater meinte: ‚Gut, dass ich nichts Gestricktes bekommen habe, wann soll ich denn das noch auftragen‘? Er wird dieses Jahr 85.

Der Sohn, der ohnehin nicht wusste, dass er etwas Gestricktes hätte bekommen sollen, meinte zu meinem Verlegenheitsgeschenk, einem Schlafanzug von Trigema: ‚Super: ich war ja schon gespannt, was ich Gestricktes bekommen werde, aber den Schlafanzug kann ich besser gebrauchen, ich komme ja nie dazu, mir Neues zu kaufen.‘

Wenigstens die Decke für meine älteste Nichte erzeugte keine Irritationen. Sie war dafür gedacht, dass sie in ihrem Beanbag beim Lesen damit kuscheln könne, aber sie konnte sich auch vorstellen, sie als Umschlagtuch zu tragen. Die Decke ist ca. 1,35m x 1,35m groß und hat runde 660g Restgarne in Sockenwollqualität aufgebraucht. Zum Schluss brauchte ich pro Runde ca. 25 Minuten, bei ca. 1320 Maschen nicht verwunderlich.
Gestrickt habe ich mit Nadelstärke 3 und es ist erstaunlich, wie gut man über 750 Maschen auf einer 80cm-Nadel unterbringt.
Das Muster der Decke ist hier auf Englisch (und nur auf englisch) frei zu haben. Meines Wissens gibt es keine Übersetzung ins Deutsche http://morethanonewaytoknitahat.blogspot.de/2007/11/rippled-baby-blanket.html
Das war noch nicht das letzte ungezeigte Weihnachtsgeschenk.

In diesem Jahr habe ich erst ein kleines Teil aus ca. 25g Garn zuende gestrickt.

Ich hatte ja schon angekündigt, dass ich nicht so viel Strickstücke fertig machen werde, wie im vergangenen Jahr. Zumindest keine Handgestrickten. Dabei gibt es schon eine feste Planung für die kommenden Projekte:
- Hochzeitsgeschenk für die Schwägerin
- Nachträgliches Geburtstagsgeschenk für eine Strickfreundin
- Geburtstagsgeschenk für die älteste Nichte
- Geburtstagsgeschenk für den Angetrauten
- Dankgeschenk für eine Seelenverwandte
- Besagter Pullover für den Sohn
- Design, das ich schon lange entworfen habe und endlich einmal stricken will
- Sommerpullover nach einem Isager-Muster
- Geburtstagsgeschenk für meinen Vater
- Geburtstagspullis für die Neffen
- Sommerliche Kissenbezüge
- Mantel mit einem Muster von Iris Bishop.

Die Reihenfolge will ich nicht festlegen, aber diese Projekte soll Ende 2013 fertig sein.
Ein paar Bilder der Decke gibt es bei Ravelry
http://www.ravelry.com/projects/LanArta/rippled-baby-blanket


2013-01-02
Ein gutes Neues Jahr allen Leserinnen und Lesern!
Im letzten Jahr gab es hier 57011 Besuche, was mich besonders stolz macht, weil sich in diese versteckten Regionen selten ein Spambot verirrt. Da ich auch wenig auf anderen Blogs verlinkt bin (nur auf ausgewählten exquisiten Seiten, vielen Dank!), darf ich mich über 1000 Besucherklicks wöchentlich sehr freuen.

Zum Jahresende werden gerne Statistiken über verstrickte und angeschaffte Garne erwartet. In diesem Jahr habe ich mir immerhin einmal einen Überblick über gekauftes und verarbeitetes Garn zusammen gestellt, nicht auf den Meter und das Gramm genau, aber eine Tendenz ist doch erkennbar.
Es ist relativ viel Garn verarbeitet worden, was bestimmt darauf zurück zu führen ist, dass ich das Weckerklingeln eine Stunde vorverlegt habe, um vor dem Start in den Arbeitstag schon stricken zu können. Abends klappt das oft nicht, weil ich manchmal lange und ungewöhnliche Arbeitszeiten habe.
Nun zu den harten Fakten.
Gekauft: 8400g
Verarbeitet: 18656g, in Metern: 47.952m, mehr als Marathonstrecke.
Davon verhäkelt: 10.430m
Von den 37.522 verstrickten Metern sind ca. 9.000-10.000m mit der Maschine vernadelt worden.

Interpretation: zieht man das gekaufte Garn vom verarbeiteten ab, habe ich rechnerisch 10.256 g aus Altbeständen verarbeite, davon zwei aufgetrennte Pullover aus einer Erbschaft. Letztlich sind es aber 14.256 g oder ca. 14 kg aus dem Stash, weil ich vom Neugekauften noch ca. 4 kg übrig habe. Das sind 80 Knäuel LaCotta, die nicht mehr hergestellt werden und von denen ich daher alles aufgekauft habe, was noch beim Lanartus Werksverkauf herumlag.
Vierzehn Kilogramm verarbeitetes Garn: da konnte ich eine 85l Box komplett leeren und andere Kisten lassen sich leichter schließen.
Diese Tendenz will ich in 2013 fortführen, obwohl jetzt schon absehbar ist, dass ich dieses Jahr weniger stricken können werde.
Demnächst werde ich auch schon Garn besorgen müssen, für das bereits begonnene Nichtengeschenk reicht das vorhandene Material nicht.

And now for something completely different:
Die Weihnachtsgeschenke wurden noch längst nicht alle gelistet. Da ich die Zeit zwischen Heiligabend und Silvester auf einem Kongress verbrachte und dazu noch zwei langjährige Forenbekannte treffen konnte, fielen die Präsentationen unter den Tisch. Beide Treffen waren sehr vergnüglich, und wie es bei Stricktreffen zu sein scheint: gestrickt wurde nicht nennenswert.
Beim Treffen mit meiner langjährigen Moderationskollegin Maren konnte ich immerhin ein Probenläppchen zuende stricken, das ich für meinen Strick-Workshop am Abend benötigte. Zu diesem kamen über 30 Interessenten, davon ein Drittel Männer. Dazu muss ich noch das Tutorial für die Teilnehmer*innen fertig machen und versenden.

Für die beiden Neffen gab es Wendemützen mit Dinosauriern mit dem Namen „Jurassic reloaded“. Gestrickt wurden sie auf der Maschine mit meiner geliebten „Lacotta“. Das Lochen der Karten hat mehr Zeit in Anspruch genommen als das Stricken und Zusammennähen.
Damit ich nicht viele kleine Einzelkarten lochen musste, wurde alles auf einer Karte untergebracht. Die Motive wurden von beiden Seiten (bei den Wendemützen muss ein Teil ‚auf dem Kopf‘ gestrickt werden) mit den Anfangslinien versehen. Die braucht es bei den Brother-Lochkartenmaschinen, weil sich die siebte Lochzeile zeigt, wenn die erste gestrickt werden soll. Hatte ich schon berichtet, dass für das Maschinenstricken manchmal etwas Abstraktionsvermögen verlangt wird?
Das zweite Motiv habe ich verhunzt, ich habe es dann einfach mit Paketband zugeklebt.
Mütze 1 ist die Adaption eines Handstrickmusters von Ravelry. Ich habe mir nur die Bilder angesehen, nicht die englische Anleitung namens ‚Torsion‘ von Julie Knits. Es handelt sich um einen Schlauch, der in der Mitte um 360 Grad gedreht und an den offenen Kanten zusammengestrickt wird. Zumindest habe ich das so gemacht. Den Hinweis auf diese Mütze bekam ich von Mallory http://mallory.twoday.net/ .

Mütze 2 ist die erweiterte Anleitung der Maschinenstrickerin Kathryn Boyle http://www.ravelry.com/patterns/library/hat-a-thon-simple-machine-knit-hat

Die Lochmuster sind von Wendy Philipps, das Heftchen mit den Vorlagen aus den Anfangsneunzigern habe ich einmal günstig bei eBay ersteigert http://www.amazon.co.uk/Dinosaurs-Dinosaur-punchcard-electronic-knitting/dp/B006JN2V68

Die beiden Mützen samt ihren Wendeseiten kann man hier sehen
http://www.ravelry.com/projects/LanArta/torsion
http://www.ravelry.com/projects/LanArta/hat-a-thon-simple-machine-knit-hat

2012-12-19
Es muss auch mal kurze Einträge geben. Ziemlich lang ist der Titel des Tuches: "Dendrobates Azureus meets Fernando Urena Rib". Den Dendrobates kann man googeln und Fernando Urena Rib ist ein Künstler und Museumsdirektor aus der Dominikanischen Republik.
Seine Malereien zeichnen sich durch organische Unterteilungen der Motive aus und einiges an der Tuchkonstruktion erinnert mich an seine Kunstwerke.
Wen's interessiert: http://www.latinartmuseum.com/recientes.htm

Die Konstruktion des Tuches namens Drachenfeuer vom Designer Michael Schmidt ist raffiniert in verkürzten Reihen. Neun Segmente werden aneinander gestrickt. Der Garnverbrauch ist für ein Tuch üppig: 450g werden gefordert, ich habe die Nadelstärke um einen halben Milimeter verringert und habe 400g verstrickt. Das Garn, eine Sockenwolle, war von www.supergarne.net, es ist jedoch derzeit in dieser Art Farbverlauf nicht erhältlich.
Die Anleitung auf deutsch und englisch ist außer bei Ravelry auch hier erhältlich.
http://www.handarbeiten-und-basteln.de.tl/Anleitungen.htm

Jetzt packe ich das Tuch ein, es ist das Weihnachtsgeschenk für meine Mutter.

Sehr viele Bilder von dem Tuch vor verschienen Kulissen hier
http://www.ravelry.com/projects/LanArta/drachenfeuer

2012-12-05
Faltenrock-Rock. Das wollte ich schon immer mal schreiben, ohne dass es verkehrt ist.
Ich beame uns mal rasch in die früheste Jugend, also in meine. Wir hatten einen Klassenkameraden, der in der Siebten aus der Kurpfalz zugezogen war. Die ersten Tage hatten wir Probleme ihm zuzuhören, weil wir jedes Mal genug zu tun hatten, uns das Lachen über seinen Dialekt zu verbeißen. Vermutlich ging es ihm mit unserem Alemannisch genauso.
Der „Neue“ hatte ein sehr angenehmes Wesen, war freundlich, hilfsbereit und hatte Sinn für Ironie und Humor. Und er wuchs und wuchs und wuchs, bis er bei 1,97m endete. Sein Name ist Walther und er wurde aus seinerzeit aktuellem Anlass nur „Mein-Gott-Walther“ genannt.
Ahnt ihr schon was? Die jüngere Generation wahrscheinlich nicht, aber wir kommen noch dazu.
„Mein-Gott-Walther“ wurde immer intoniert, wenn besagter Klassenkamerad irgendwie daneben lag. Allerdings nie wirklich boshaft, und er nahm es auch nicht krumm. Ärgerlich zu sein hob er sich für passendere Gelegenheiten auf. Erwähnte ich schon, dass Walther ziemlich integer war?
Nun begab es sich, dass Walther eines Tages das ausersehene Opfer unseres Französischlehrers war. Dieser – an sich nicht gemein, sondern nur pädagogisch unterbelichtet - , ließ Walther geschlagene sechs Minuten das Wort ‚depuis‘ aussprechen, nachdem dieser beim Vorlesen eines französischen Textes erkennen ließ, dass ihn weder Text noch Aussprache sonderlich interessierten. Der Lehrer sagte die richtige Aussprache ca. 37mal vor: ‚döpüi‘. Walthers ‚depuis‘ klang jedoch wie ‚de-pu-i‘, wobei man sich die einzelnen Silben in verschiedenen Tönen vorstellen muss: erste Silbe mittelhoch, zweite höher, dritte tiefer als die erste und wieder zum Ausgangston zurück schleifend. Also eine Art kurpfälzischer Singsang.
Irgendwann meinte eine Klassenkameradin: Herr E., jetzt lassen Sie doch den Walther in Ruhe, sie hören doch, dass er es nicht hinbekommt. Herr E. meinte: Da ist der Name „Mein-Gott-Walther“ wirklich angebracht. Oh oh, das hätte er nicht sagen dürfen! Das war eine Benamsung, die ausschließlich Gleichaltrigen, nicht jedoch Erwachsenen und schon gar nicht Lehrern zustand. Ich übernahm es, Herrn E. das zu sagen und er sah es auch ein. Die Stunde endete damit, dass unsere Klassenbeste Johanna die besagte Passage dann fehlerfrei vorlas.

Nun lenken wir aber in die Topic-Kurve. Das Lied „Mein Gott, Walter“, von Mike Krüger war nicht nur unser Zeitgenosse, sondern lief auch gleichzeitig mit dem Song „Sie trägt nen Faltenrock“. Puh, Kurve gekriegt! Und da es ein Rock’n Roll ist, kann man das Musikstück als Faltenrock-Rock bezeichnen.
Jajaja, der Link zum Video kommt gleich! Wenn ich Mike Krüger da auf der Bühne stehen sehe, denke ich mir, mit wie wenig Aufwand die Leute damals unterhalten wurden. Keine Lightshow, Klamotten vom Top-Designer, Schminke und Frisur von teuren Stylisten und anderes Gedöns, das oftmals darüber hinweg täuscht, dass die Interpreten talentlose Masken sind, die über kurz oder lang, zum Glück eher ersteres, wieder in der Versenkung verschwinden.
Mike Krüger trat damals in Klamotten auf, die auch jeder von uns trug: verwaschene, schlichte Shirts, Jeans oder Schlaghosen ohne Labelbewusstsein, rundgefönte Frisur. Und er zeigte, was er konnte: Gitarre spielen und nicht sooo gut singen, nichts wurde durch technische Hochrüstung und ausgefeilte Toningenieurskunst verbrämt.

Der Faltenrock um den es hier geht, stammt aus meiner Nadel, erst Stärke 2,5mm, dann erweitert bis 3,5mm. Garn sind 1€-Knäuel eines Sonderverkaufs von Erika-Knight-Design-Garn von Regia und Reste eines Superwash-Garns aus einer Haushaltsauflösung. Unter vielem Plastikmist war das die Perle von Schachenmayr. Insgesamt habe ich ca. 220 g vernadelt, das Röckchen wird das Weihnachtsgeschenk für Nichte Nr. 3.

Im Ravelry-Link geht es zur Anleitung (japanisch, englisch), die es nur bei Ravelry gibt und dort schon viele, auch deutsche Interpretationen erfuhr. Auch der Ravelry-Name meines Projekts stammt aus der Musikszene, wie ihr hier sehen könnt.
http://www.ravelry.com/projects/LanArta/bulgarian-knitted-skirt-

Und nun endlich auch zum Faltenrock-Rock
http://www.youtube.com/watch?gl=DE&hl=de&v=ZAkeBsGYWAw

2012-11-30
Der Sohn hatte gestanden, die wunderbaren gestrickten Handschuhe verloren zu haben, die wir ihm aus unserem letzten Urlaub vor dreieinhalb Jahren mitgebracht hatten.
Verlieren hat bei ihm eine lange Tradition. Schon als er Schulkind war, hatten wir praktisch eine Standleitung zum Fundbüro. Die im Nahverkehrszug liegen gelassene Geige musste ich einmal in Basel abholen. Um sie in Offenburg wieder zu bekommen, habe ich den damals 10-Jährigen selbst fahren lassen, er war ja ein versierter Nutzer der Öffentlichen Verkehrsmittel. Die Geige ging seither auch nicht mehr verlustig, ich hoffe, der erzieherische Aspekt des Aufwandes, sie wieder zu erlangen, war dabei hilfreich.
Es war mit dem Liegenlassen so beklagenswert, dass ich an alle Kleidungs- und Besitzstücke Namensschildchen anbrachte. Im wöchentlichen Rhythmus gab es Anrufe vom Fundbüro. Sicher war unsere Telefonnummer unter „1“ im Rufnummernspeicher. ‚Frau R., wir haben hier den Turnbeutel Ihres Sohnes, der Straßenbahnführer hat ihn vorbei gebracht‘. Oder ‚Frau R., ihrem Jungen war es wohl zu warm, sein Pullunderchen liegt hier.‘ Oder: ‚Falls Ihr Sohn sein Mathebuch vermisst, das wurde gerade hier abgegeben‘.
Seltsamerweise ging nie ein Schlüssel oder ein wichtiges Dokument verloren, das muss man ihm zugutehalten. Positiv zu erwähnen ist die kurze Entfernung des Fundamts von unserer Wohnung, und dass sich die Mitarbeiter durch Beiträge für die Kaffeemaschine und Selbstgebackenes entlohnen ließen und bürokratischen Aufwand mit Gebühren vermieden.
Mit Einsetzen der Pubertät hörten diese Verluste schlagartig auf und das Verschwinden der Handschuhe war das erste, was zu diesem Thema seit Jahren wieder aufkam.
Vielleicht war das Verlieren ein Pendant zu dem, was meine Domäne in der Kindheit war: das Zerlöchern der Strumpfhosen. Damit hatte es jedoch eine Besonderheit: die Strumpfhosen zerrissen stets beim ersten Tragen und immer nur am linken Knie. Wenn dieses Procedere einmal absolviert war, passierte der Strumpfhose nichts mehr, bis ich heraus gewachsen war. Ich erinnere mich an eine Begebenheit als Siebenjährige wie heute. Wir kamen von einem Spaziergang und waren schon auf dem Hof. Ich war drei Schritte von der Haustür entfernt, als mein Vater sagte: ‘Kaum zu glauben, die neue Strumpfhose hat den ersten Gebrauch heil überstanden.‘ Er hatte noch nicht ausgesprochen, als ich hinfiel, die Stufe zur Tür hinauf. Außer einer Schürfwunde und dem obligaten Loch im linken Knie der Strumpfhose war nichts passiert…

Die Handschuhe sind das Modell ‚His&Hers‘ von Dagmar Mora http://www.amazon.com/His-Hers-Gloves-Individual-ebook/dp/B007AS2AMQ oder über Ravelry, nur auf Englisch.Sie wurden aus den Resten des Weihnachtspullunders meines Vaters vom vergangenen Jahr gestrickt, DROPS Fabel, mit Nadelstärke 2,5 und 2,0 mm. Wenn ich eins nicht verknusen kann, dann sind es zu kurze Schäfte an den Socken und zu kurze Bündchen an Handschuhen. Man streckt die Arme und der Wind pfeift in die Ärmel, *schauder *! Daher habe ich die Bündchen länger gemacht als in der Anleitung und mit dem Italienischen Anschlag begonnen.
Vom Rest des Rests ließ sich noch die Mütze „Windschief“ von Stephen West mit doppelt genommenem Faden stricken. Sie passt wegen der verschränkten Maschen so gut zu den Handschuhen. Wer sich schon gefreut hatte, eine deutsche Anleitung zu bekommen, ist windschief gewickelt, siehe hier http://westknits.com/index.php/pattern/hats/windschief/ oder bei Ravelry. Das Stricken der Mütze fand ich sterbensöd und war daher froh, dass sie an einem Abend fertig war.
Die Handschuhbilder
http://www.ravelry.com/projects/LanArta/his--hers-gloves
Die Mützenbilder
http://www.ravelry.com/projects/LanArta/windschief

2012-11-21
Nach dem letzten Beitrag gab es viele Zuschriften. Einige wiesen darauf hin, dass ich doch auch moralische Vorstellungen hätte und eine anonyme Mail meinte, ich würde mich als „moralische Instanz“ aufführen. Danke für den Anstoß, das ist ein guter Grund, über den Begriff nachzudenken.
Moralische Instanzen, die von den meisten als solche akzeptiert werden können, und mit denen man sich identifizieren kann, sind selten zu finden. Die Katholiken haben es da relativ einfach, ihre moralische Instanz ist der Papst. Wenn auch eine Zeitung, die mit ihrer Buchstabengröße viele Arten der Fehlsichtigkeit abdeckt, titelt „Wir sind Papst“, dann heißt das nicht, alle Katholiken seien moralische Instanzen.
Moralische Instanzen sind sicher die Religionsgründer Jesus Christus, Mohammed und Gautama Buddha. Deren Wertvorstellungen sind jedoch der damaligen Zeit angepasst und können nach meiner Auffassung nicht ohne Überarbeitung und Abstimmung in unser Zeitalter übernommen werden.
Wenn ich also eine Person als moralische Instanz wählen sollte, die zwar nicht völlig aktuell aber doch ‚zeitgemäß‘ ist, dann wäre das Albert Schweitzer. Neben philosophischen und theologischen Studien (er hatte eine Dozentur in Strasbourg) studierte er auch Musik in Paris. Dass er ein ausgezeichneter Musiker war und eine bemerkenswerte Monografie über Johann Sebastian Bach schrieb, ist weniger bekannt. Jedoch weiß jeder, dass er zusätzlich ein Medizinstudium absolvierte, in Lambarene (Gabun, Afrika) mit seiner Ehefrau ein Urwaldhospital gründete und auch den Friedensnobelpreis bekam. Schweitzer war kein Moralist, sondern er lebte sein Motto „edel sei der Mensch, hilfreich und gut“. Daher prädestinieren ihn sein übergreifendes Wissen und der Einsatz seiner brillanten Fähigkeiten für die Ärmsten der Armen über die Grenzen eines Spezialgebietes hinaus für die Rolle einer moralischen Instanz.

Mit dem Begriff „Afrika“ wird mir nun eine geschickte Überleitung zum fertigen Projekt gelingen.

Nie hätte ich gedacht, dass ich mich wieder in die Gefilde des Patchworkhäkelns begeben würde. Diese Phase meinte ich in den frühen 80-ern absolviert und abgeschlossen zu haben. Bis vor kurzem hätte ich gut Mitglied einer Ravelry-Gruppe sein können, die sich nennt: „Lieber steche ich mir eine Strumpfstricknadel ins Auge als ein Granny-Square zu häkeln“

Der Grund für die Wiederaufnahme des Häkelns kleiner geometrischer Flächen namens „African Flower“ war diese Seite, auf die ich zufällig gestoßen war. http://www.flickr.com/groups/africanflowers/pool/with/8035599039/#photo_8035599039
Diese Patches fand ich so niedlich, dass ich gleich welche ausprobieren musste.
Dann ist noch ein Projekt in Arbeit, das zu gegebener Zeit präsentiert werden wird. Heute zeige ich die ersten Weihnachtsgeschenke für meine fast gleichaltrigen Nichten. Zunächst das Set aus den African-Flower-Patches, bestehend aus einer Mütze in moderner Form und einem Schlauchschal.

Da ich es hasse, wenn bei Farbwechsel viele Fäden in der Dichte zu liegen kommen und man dann Platz suchen muss, um alle Fäden zu verstauen, fing ich die Runde bei jedem Farbwechsel an einer anderen Stelle an. Man vermeidet mit dieser Technik auch, dass man lauter Luftmaschenketten vom Rundenbeginn übereinander hat, was die Geometrie und die Gleichmäßigkeit der Flächen beeinträchtigt.
Die Fäden habe ich einfach mit eingehäkelt, vernäht wurde da kaum etwas. Der Rand der Mütze wurde aus den Häkelmaschen herausgestrickt und mit dem Italienischen Abnähen beschlossen.
Angeregt dazu wurde ich durch diese kostenlose Anleitung
http://www.ravelry.com/patterns/library/african-flower-no-more-tears-formula-2

Das Garn ist die Lacotta von Lanartus, 50% Wolle/50% Baumwolle, Lauflänge 145m/50g. Im Sommer hatte ich davon 2kg gekauft (40 € insgesamt) und Anfang November habe ich den gesamten Rest im Werkverkauf von www.Lanartus.net eingesackt. Darunter sind sogar Knäuel, die noch die alte Postleitzahl des Herstellers zeigten, also stammt das Garn mindestens von vor Juli 1993, der Zeit vor der Postleitzahlenreform. Das Netzhautpeitschenrosa ist ein 100%-Acryl-Produkt von Patons. Es lag im Wühlkorb einer Flohmarktverkäuferin, und ich bekam es für 50 Cent. Die Verkäuferin war neugierig, was ich damit wohl machen werde. Ich wusste es da auch noch nicht, aber nun ist es der perfekte Akzent für die Patches.

Und ausnahmsweise gibt für die Afrikanischen Blüten auch eine deutsche kostenlose Anleitung. Der Name für dafür könnte deutscher überhaupt nicht sein: Wabensechseck http://www.landlust.de/dl/3/4/1/2/9/5/Haekel-Kissen_neu.pdf .

Die Bilder des Sets „Winter in Full Bloom“ sind an den Kindern hier zu sehen
http://www.ravelry.com/projects/LanArta/african-flower-no-more-tears-formula-2

Für das Modeln habe ich meinen Nachbarmädels Schlüsselanhänger aus der Afrikanischen Blüte gemacht.
Obwohl sie eine fiebrige Erkältung hatten, waren sie mit Eifer bei der Sache.
http://www.ravelry.com/projects/LanArta/african-flower-no-more-tears-formula

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